Degustationen

weinfanatic nimmt immer wieder an Degustationen teil oder organisiert diese selbst. Spannende, einprägsame, vielversprechende, einmalige und verrückte Weine werden önologisch aufs Korn genommen, probiert, beschrieben und publiziert.


ÔMINA ROMANA. A MAGIC MONDAY!

In der Tat: Der Montag, 19. August 2019 war nicht ominös wie es der Name des Weinguts allgemein suggerierte. Eher magisch und positiv überraschend. Rätselhaft war für mich – nach der Verkostung der Tropfen von «Ômina Romana» – eher die Tatsache, dass es nicht viel mehr Produzenten aus der Region gibt, die der Toskana und anderen Gegenden Italiens das Fürchten lehren. Das Weingut ist gerade mal etwas mehr als 30 Kilometer von Rom entfernt. Im fernen Zürich lud es ein Dutzend ausgewählter Weingeniesser, Händler und Sommeliers zur Verkostung ihrer hochwertigen Weine. Der Event war als Battle organisiert, sodass also immer ein Ômina Romana gegen andere erstklassige Weine mit oft globalem Renommée pro Flight antrat. Spannend.

 

So eine Challenge braucht eine ganz schöne Portion Mut, eine dicke Haut und ein oder zwei Schippen mehr Selbstüberzeugung als die meisten Menschen normalerweise besitzen. Anton Börner, der Eigentümer des Weinguts, hat dies alles. So liess er es sich nicht nehmen und war höchstpersönlich an der Verkostung anwesend. Ganz aufmerksam hörte er sich alle Kommentare an und schmunzelte das eine oder andere Mal zufrieden. Grund genug hatte er allemal.

 

Seine Weine aus den rund 80 Hektar Reben machten über alle fünf Flights gesehen eine gute Figur. Obwohl die Region, aus der sie kommen, derzeit nicht gerade für ihre High-End-Weine bekannt ist. Was scheinbar bis vor einem Jahrhundert, für davor über zwei Jahrtausende, genau das Gegenteil war. Bis dann ein gewisser «Benito M.» für die Gegend Menge gegen Qualität bzw. Industrie gegen Güte anordnete. Langsam fängt sich die Region davon zu erholen. Ômina Romana ist dabei vielleicht der Funke, der womöglich bald das Feuer entfachen wird. Die vier verschiedenen Bodenarten, auf denen die Reben des Weinguts gründen, sind vornehmlich vulkanischen Ursprungs und bringen in der Qualitätsstufe, die ich verkosten durfte, eine gewisse Würze und Mineralität durchaus pointiert zur Geltung.

 

Die Verkostung wurde in den ersten vier Flights traubensortentreu durchgeführt:

Flight 1: Chardonnay

Flight 2: Viognier

Flight 3: Merlot

Flight 4: Cabernet Franc

 

Flight 5: Cuvées

 

Die Weine wurden vor der Verkostung belüftet und – was die Temperatur angeht – «à point» serviert. 

FLIGHT I | CHARDONNAY

In den sechs Gläsern zeigten sich Weine mit einer ziemlich grossen Bandbreite. Herausragend – im Sinne von auffällig – waren die Gläser A, C und E. Ersterer zeigte sich sehr gereift, sherry-artig und irgendwie oxidiert. Für mich eine Fehlflasche. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der «Bussiador» von Aldo Conterno so schmecken muss/soll. Der Wein im Glas C fiel durch eine wahnsinnig üppige tropische Frucht auf. Doch gleichzeitig hatte er auch Frische und zeigte eine harmonische und tolle Struktur. Obwohl noch nie verkostet, war ich mir aufgrund der anderen Weine links und rechts davon, ziemlich sicher, dass dies der Ômina Romana Chardonnay sein musste [WF 8.5|10.0]. Am meisten Eindruck machte auf mich aber der Tropfen im Glas E! Mein erster Gedanke war: Das ist Gantenbein. Der zweite war: Nein, das ist Becker’s «Mineral». Diese unheimliche Präzision, Mineralität und Länge bringen genau diese beiden Weine so toll ins Glas [WF 9.0+|10.0]. Der Bâtard Montrachet im Glas D war ganz gut [WF 8.0|10.0]. Hatte aber genau jetzt null Chance gegen Ganti. Enttäuschend war der Gaja [WF 8.0|10.0] im Glas F. Ein Wein für «Subtil-Trinker» vielleicht. Kamille, Zitrone und Grapefruit. Ungewohnt filigran fürs Piemont, durchaus. Doch auch eindimensional und schlaff. Henri Germain Meursault? Mineralisch mit guten mineralischen Anklängen, aber dann doch mit einem eher simplen Abgang [WF 8.5|10.0].

 

FLIGHT II | VIOGNIER

Gerade in diesem zweiten Flight zeigte sich, dass man bei den Weissweinen von Ômina Romana eine feste Linie [ja fast eine Handschrift] hat, die man verfolgt. Wiederum ist die Ausprägung im Glas D eher üppig. Doch auch gleichzeitig aromatisch-tropisch, saftig und balanciert. Auch wenn der Wein wie ein Gewichtheber wirkt, scheint er gut gegliedert und definiert zu ein. Seine Einzelteile dürften sich in ein paar Jahren wunderbar zu einer Einheit zusammenfügen [WF 9.0|10.0]. Der Überflieger im Flight war der Tropfen im Glas B (Condrieu, E. Giugal). Mit seiner edlen Nase und dem unwahrscheinlich komplexen Gaumen, verdiente er die Top-Bewertung des Flights [WF 9.5|10.0]. Beinahe gleich auf, war der andere Condrieu der Domaine Jamet im Glas C. Kühl, raffiniert und von grosser Länge. Filigran herausgearbeitet und finessenreich [WF 9.0|10]. Dr. Hegers Viognier aus Baden [Glas A: WF 8.5|10.0] und der Muralia Chiaraluna [Glas E: WF 8.5|10.0] konnten durchaus mithalten. Wobei letzterer durch seine Finesse und Leichtigkeit auffiel. Dass er der beste Wein des Flights war, wie einige in der Runde fanden, erschloss sich mir nicht.

 

FLIGHT III | MERLOT

Eine Traubensorte bei der Pomerol eigentlich eine Steilvorlage gewesen wäre. So stufte ich die beiden Weine im Glas B und E entsprechend auch als Bordeaux ein. Edle Franzosen par excellence konnte man meinen. Über dem Zenit schien mir der «Sass» von Christian Zündel [Glas A: WF 8.0|10.0]. Müde, schlaff und alkoholig war er. Der Galatrona «Petrolo» war mit harten und jugendlichen Tanninen versehen. Stallig-animalische Noten herrschten hauptsächlich vor [Glas C: WF 8.5|10.0]. Der Wein im Glas D zeigte sich üppig, dicht und mit extremer Länge. Von der Signatur her, sah ich ihn als die Rotweinvariante des Ômnia Romana. Doch weit gefehlt: Es war der «Masseto». Ein Kokosbonbon mit viel Marzipan, Kuchenteig, Vanille und Balsamico Dolce. Noch ein absolutes Baby ist dieses Monument, aber er hat durchaus alle wichtigen Komponenten am rechten Fleck und dürfte in ein paar Jahren sich die Hörner abgestossen haben [WF 9.0|10.0]. Die beiden Top-Weine aus «Frankreich» machten sich gegenseitig starke Konkurrenz. Im Glas B hauchte einem der zarte Duft feinster Kirschfrucht entgegen. Absolut atemberaubende Gradlinigkeit. Am Gaumen eng gespurt mit perfekter Harmonie zwischen Säure, Tannin und Alkohol. Gewaltige aromatische Tiefe mit hyper-schlankem Körper und wahnsinnig langem Abgang [WF 9.5+|10.0]. Der Ômina Romana Merlot war mit dieser Leistung für mich sicherlich einer der Top-Weine der Verkostung. Ihm setzte lediglich «Redigaffi» im Glas E richtig zu. Konnte aber auf den letzten Zentimetern dann doch nicht ganz mithalten. Einen Hauch kürzer war der Abgang.

 

FLIGHT IV | CABERNET FRANC

Eine Traubensorte, die ich mehr und mehr zu schätzen weiss. Im Glas A durfte ich erstmals überhaupt einen «Clos Rougeard» kreisen lassen. Er wirkte etwas verlegen kühl und mit einer vielfältigen sowie roten Beerenfrucht. Zudem verströmte er feinste Heublumen und dazu ausgeprägte Stallnoten (Brett?). Am Gaumen war er ein präziser, mineralischer und vor allem frischer Tropfen. Hätte ich den Wein nicht blind verkostet, wäre meine Ehrfurcht womöglich bedeutend grösser gewesen. So fand ich ihn im Vergleich dann «lediglich» gut im Rennen aber doch ziemlich weit von der Spitze entfernt [WF 8.5|10.0]. Die Überflieger im Flight befanden sich eindeutig in den Gläsern C und D. Den Paleo durfte ich erst letztens trinken und war angenehm überrascht über die Leichtigkeit, die dieser Wein aus einem äusserst warmen Gebiet in sich trug. Die Feinheit und Spannung zeigte er bereits in der Nase. Eher rotbeerige kühle Frucht. Am Gaumen äusserst nuanciert und à point, sodass für mich hier nicht viel zur Vollkommenheit fehlte [WF 9.5+|10.0]. Der alleinige Thron gehörte aber beim Cabernet Franc dem Ômina Romana. Er besitzt eine vielschichtige und sehr finessenreiche Nase. Fast schon wie ein zartes Bonbon – mit spektakulärer Tiefe – wirkte er. Am Gaumen besitzt er einen drahtigen und sehnigen Körper der yogamässig die Balance ewig zu halten scheint. Ein Wein zum Eintauchen. Ganz, ganz gross [WF 9.5+|10.0]. Der Thierry Germain im Glas B liess sich nicht bedeutend vom Vorgänger distanzieren. Konnte dann aber im Schlussspurt doch nicht ganz mithalten [WF 9.0|10.0]. Der «Pearl Morissette» aus Kanada im Glas E [WF 8.5|10.0] wie auch der André Roduit [Glas F: WF 8.5|10.0] aus dem Wallis fielen dann im Allgemeinen – auf hohem Niveau – doch etwas ab.

 

FLIGHT V | CUVÉES

Bei den Cuvées fielen mir beim ersten «Nasendurchgang» speziell Glas B und D auf. Sie sprachen sofort in einem angenehmen französischen Akzent zu mir. Bereits kurz nach dem Einschenken gab es eine erste kurze Diskussion innerhalb der Verkostertruppe darüber, ob der Wein im Glas A nicht einen Fehler hatte. Nach vorsichtigem dreimaligem Nachriechen befand ich den Wein lediglich als sehr zurückhaltend und geradezu «burgundisch und pinotesque». Er hatte eine ruhige und elegante Nase. Viele dezente Erdbeeren und etwas Schlagsahne. Am Gaumen war er äusserst schlank jedoch mit spürbarem Tannin. Als später darunter der Sassicaia 2015 aufgedeckt wurde, ging beinahe ein Raunen durch den Raum. Für mich persönlich hatte er weder einen Fehler noch war es überraschend ihn darunter zu finden. Sassicaia finde ich – im Vergleich zu anderen Weinen der Südtoskana – immer geradezu schwebend, leicht und elegant. Der 2015er schien mir allgemein als Gesamtkonstrukt noch nicht im Gleichgewicht [WF 8.5|10.0]. Das Glas B war sehr klar als guter Bordeaux erkennbar. In der Nase viel Cabernet-Peperoni, Zigarre und der Anflug von hellem Leder. Am Gaumen spannte sich ein asketischer Körper. Der Abgang war unheimlich lang. Doch als Margaux hätte ich ihn nicht eingeschätzt. In meiner Erinnerung sind die paar Jahrgänge, die ich bisher verkosten durfte, eher maskuliner und prägnanter abgespeichert. Nichtsdestotrotz ein wunderschöner und richtig klassischer Bordeaux [WF 9.5|10.0]. Der Ômina Romana im Glas C meldete sich süsslich und fokussiert an. Einen ganz feinen Alkoholeinschlag fand ich in der Nase. Am Gaumen versprühte er viele beerige Noten und wärmte etwas nach. Insgesamt nicht das, was ich mir erhofft hatte [WF 8.5|10.0]. Der zweite «Franzose» der Runde, machte alles richtig und zeigte, dass Bolgheri nicht umsonst bei Weinliebhabern mit Aquitanien im Wettstreit steht. Feiner Tabak und Schokolade in der Nase. Am Gaumen viel Spannung, toller Grip und poliertes Tannin. Guado al Tasso at its best, würde ich sagen [WF 9.0|10.0]. Im Glas F folgte der Castello Luigi aus dem Tessin. Der Wein überraschte in seiner Gesamtheit wohl viele der Anwesenden. In der Nase etwas staubig, leicht animalisch und mit Kirschmarzipan umhüllt. Am Gaumen knackig mit ordentlich Frische und komplexer Würze. Man hätte fast meinen können, dass hier ein grosser D9dP schlummert. Der nächste Wein haute mich richtiggehend aus den Socken. Unheimlich mineralisch, fein und voller Rosenblüten. Zuerst vermutete ich hier irgendwas von der Rhône. Der Tropfen hatte alles, was ein richtig grosser Wein brauchte. Hintenrum war er extrem lang und nachhaltig. Für mich der beste Wein der Verkostung mit dem höchsten Grad an Vollendung [WF 10.0|10.0]. Als der Schleier sich lüftete, war ich beinahe schockiert. Denn Weine aus Chile sind – bis auf ein paar bekannte Ausnahmen – nicht mein Ding. Das Cassis erschlägt mich zuweilen richtiggehend. Aber der «VIK» hatte all dies nicht. Es war flüssiges Rhône-Terroir, das ich dort verortete. Ein Verkoster meinte, dass genau diese Perfektion es eben sei, die den Wein irgendwie «unangenehm konstruiert» macht. Kann man gelten lassen. Viel stärker wiegt bei mir aber der Punkt, dass etwas perfekt ist, wenn es einfach perfekt... 

FAZIT

Diese tolle Verkostung offenbarte für mich persönlich zwei wichtige Dinge: Einerseits, dass Ômina Romana als Weingut funktioniert und bereits nach wenigen Jahren eine tolle Qualität liefert, die sich mit Grössen aus der Welt sehr gut messen kann. Insbesondere die Rotweine haben eine wunderschöne Geschichte zu erzählen, bei der es sich lohnt zuzuhören. Andererseits zeigt die Verkostung auch, wie eng die Spitze im Weinbau geworden ist. Selbst ein Massetto oder Château Margaux schwingen nicht einfach selbstverständlich obenaus.

 

Herzlichen Dank an Tobias Hess und Anton Börner für diesen sehr gelungenen Event und die Möglichkeit die Weine von Ômina Romana kennenlernen zu dürfen.


NAPA VALLEY vs. PAUILLAC | THE JUDGEMENT OF ZURICH 2019 [30. April 2019]

99 Teilnehmer durften am Samstagmorgen um 11 Uhr in Zürich als Juroren am «Wine-Battle» zwischen Napa Valley und Bordeaux bzw. Pauillac teilnehmen. Am ausverkauften Anlass wurden in zwei Flights je sechs Gläser des Jahrgangs 2015 blind zur Verkostung aufgeboten. Sechs Weine waren aus dem Napa Valley und gleich viele aus Bordeaux [Pauillac].

 

Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt und deshalb – was Endkonsumentensicht angeht – repräsentativ. Nichtsdestotrotz sind solche Verkostungen immer mit Vorsicht und etwas Skepsis zu geniessen. Einerseits sind Weine aus dem Napa Valley in ihrer Jugend oft – wenn man das unbedingt sucht – unschlagbar. Gleichzeitig verschliessen sich Bordeaux nach den ersten paar Jahren und öffnen sich erst wieder nach zehn oder noch mehr Lenzen. Bei dieser Ausgangslage ist ein «Liebhaberpublikum» – wie an diesem Samstag in Zürich – schnell mal für Napa zu gewinnen.

 

Andererseits muss die Frage auch berechtigt sein, ob ein solcher Battle generell Sinn ergibt. In den letzten 30 Jahren wurde die Weine aus Bordeaux «parkerisiert» und teilweise richtiggehend «aufgepumpt». Damit verschwanden oft die natürlichen Terroirgrenzen, die einen Bordeaux zu einem echten Bordeaux mach(t)en. Zudem sind Bordeaux-Weine mit unter 14 Volumen Alkohol heutzutage eine Seltenheit geworden… Von dem her: Was ist schon typisch Napa und was Bordeaux?...

 

VERKOSTUNGSMODUS

Die Verkostung war blind. Man wusste einzig, dass es bei den zwölf Weinen hälftig Napa und Pauillac gab. Die Verteilung auf die beiden Flights war nicht proportional. Ich beschnupperte zuerst alle Weine. Erst beim zweiten Durchgang genehmigte ich mir jeweils einen kleinen Schluck. Danach vergab ich die Punkte, machte meine Einschätzung bezüglich Weinregion und gab danach die finalen Punkte in ein System ein. Insgesamt änderte ich vier Mal meine Einschätzung zur Region. Drei Mal erwies sich dies als korrekt.

 

VERKOSTUNGSÜBERSICHT – FLIGHT I

Glas #

#1

#2

#3

#4

#5

#6

WF Rating

WF 100er

WF Region

WF Rang

8.0|10.0

82|100

Bordeaux

11. Platz

9.0|10.0
93|100

Napa

8. Platz

8.0|10.0

84|100

Napa

10. Platz

9.0|10.0

93|100

Napa

7. Platz

9.5|10.0

94|100

Bordeaux

5. Platz

9.5+|10.0
96|100

Bordeaux

Zweiter

Wein

Clerc-Milon

Grand-Puy-Lacoste

Kelly Fleming, Estate CS

Arkenstone, Estate Red

Pontet-Canet

Lynch-Bages

Publikum Pkt.

93

94

95

95

95

94

Publikum Ränge

12. Rang

11. Rang

6/7 Rang

6/7 Rang

9. Platz

10. Rang

 

GLAS 1

Ein eher leichter und bereits sehr bekömmlicher Wein. In der Nase viel Zurückhaltung mit etwas Kaffee, feinem Lederton und hintergründigen Himbeeren. Am Gaumen irgendwie fast durchschimmernd, mit angenehmen Tanninen und verräterisch grünem Peperoniaroma. Für mich ein klarer Bordeaux bei dem sich die Frage stellt, wie langlebig dieser Wein wohl sein könnte. Scheint mir eher nicht für einen «Longrun» geeignet.

 

GLAS 2

Ein klarer Napa im Glas. In der Nase ausgeprägte Mokkaaromen. Es folgten Rosenzesten und Balsamico-Dolce-Noten. Viel Extrakt und Süsse. Am Gaumen Espresso, Minzbonbon sowie Zedernholz. Es ist ein voluminöser und bombastischer Vertreter der Napafraktion, kommt einem zuerst in den Sinn. Der Gaumennachklang ist leicht metallisch. Das Tannin ist aber sauber integriert und der Abgang tief und lang. Kaffee hallt exzessiv nach.

 

GLAS 3

Ein krasser Cassisbomber! Etwas gar plump kommt er daher. In der Nase die erwähnten dunkel-beerigen Noten. Dazu erdige Aromen und etwas Heidelbeerkompott. Am Gaumen überreife Schwarzkirschen und Brombeeren. Ganz klar ein Napa! Dieser Wein ist ein absoluter Crowdpleaser mit viel Weichheit und Muskeln. Der Wein ist der Typ «Beschelor» und dürfte jeder Party gut anstehen.

 

GLAS 4

Eine wahre Wuchtbrumme von einem Wein! Der Tropfen hat unwahrscheinlich viel Fülle, jedoch ohne plump zu sein. Mit der pointierten Süsse in der Nase, Amarenakirschen und etwas Vanille ist er ausgesprochen charmant. Am Gaumen fällt die tolle Balance auf. Das Tannin ist geschliffen und integriert, die Frucht ist satt und der Gaumenhimmel hängt voller Boysenbeeren. Es ist ein Sakrileg diesen Wein so jung zu trinken.

 

GLAS 5

Ein eleganter und zutiefst europäischer Wein. In der Nase klare und verräterische Pauillac-Animalik. Dazu Pfeifentabak und eine Spur helles Leder. Am Gaumen deutet er seine Kraft [trotz viel Präzision] an. Er ist tief und vibriert vor Spannung. Zigarre und düster-beerige Noten folgen. Das Holz ist da, jedoch sehr schön eingebunden.

 

GLAS 6

Ein strammer Wein. Verhält sich ein wenig wie eine geschlossene Faust: Hart und unnahbar! Doch, gibt man ihm ein wenig Zeit, merkt man, dass er äusserst balanciert ist. In der Nase Kirsche mit einem Anflug von Stall und Vanille. Am Gaumen wunderbar schöne Textur, toller Druck und komplexe Struktur. Ein Wein für die Ewigkeit und einen Longrun. Mein Favorit bisher!

 

VERKOSTUNGSÜBERSICHT – FLIGHT II 

Glas #

#7

#8

#9

#10

#11

#12

WF Rating

WF 100er

WF Region

WF Rang

9.0|10.0
92|100

Napa

9. Platz

9.5|10.0
95|100

Napa

4. Rang

9.5|10.0

94|100

Bordeaux

6. Platz

9.5+|10.0
96|100

Bordeaux

Sieger

8.0|10.0
80|100

Napa

12. Platz

9.5+|10.0
96|100

Bordeaux

Dritter

Wein

Brand Brio

Sinegal Winery Estate

Pichon-Comtesse-Lal.

Pichon-Baron-Longueville

Barbour St. Helena CS

Bulgheroni Lithology CS

Publikum Pkt.

96|100

96|100

95|100

96|100

96|100

96|100

Publikum Ränge

Zweiter

Dritter

8. Platz

5. Platz

4. Platz

Sieger

 

GLAS 7

Dichter und fülliger Wein. In der Nase kühle Minzaromatik, Eukalyptus und vegetative Noten. Am Gaumen folgt üppiges Cassis, Brombeeren und Heidelbeerkonfitüre. Der Tropfen hat viel Schmelz und eine formidable Textur. Doch ist er für mich etwas zu primär und es fehlt an hintergründiger Eleganz.

 

GLAS 8

Dieser Wein ist zuerst wie ein süsses Bonbon. Doch beim zweiten Riechen und Verkosten hat er sich extrem beruhigt und wirkt geradezu exemplarisch europäisch. In der Nase frisch gebrühter Kaffee, Mokka und geröstete Nüsse. Am Gaumen relativ eng und konzentriert. Dadurch tief und mit Aromen von Heidelbeeren und Teer recht langanhaltend. Irgendwie auch mineralisch und in sich ruhend. Toller Wein!

 

GLAS 9

Ein finessenreicher und eleganter Wein. Aufgrund der Kühle klar ein Pauillac. In der Nase Pfefferminz, Tomatenblatt und ein Anflug von kaltem Kaffee. Am Gaumen hält der Koffeingeschmack an und vermischt sich etwas mit nassen Steinen und ein wenig Leder. Der Tropfen wirkt ruhig und hallt lange, sehr lange nach. Er ist stoffig und hat ordentlich Potenzial für die Zukunft.

 

GLAS 10

Mein erster Gedanke war, dass es sich hier um einen finessenreichen und wunderbar geordneten Napa handle. Wenig überbordernde Aromatik – alles in Grenzen eben. Beim zweiten Durchgang wechselte ich dann doch noch auf Pauillac. Sehr schöne Kirscharomen in der Nase. Etwas überreife Erdbeeren und Vanille folgen auf dem Fuss. Am Gaumen sehr weiches und eher begleitendes Tannin. Schön viel Grip und nasse Steine im Abgang. Gross!

 

GLAS 11

Nanu, wurde hier ein Italiener in die Runde geschmuggelt?! Nicht ein beliebiger Südländer! Nein: Hier könnte man locker einen Primitivo reininterpretieren! In der Nase sehr marmeladig, überreif und irgendwie mit einem Duft von Sägemehl beladen. Am Gaumen dann überaus viel Süsse und kompaktes sowie harsches Tannin. Das ist irgendwie Napa, das man im Supermarkt erwartet.

 

GLAS 12

Ein mächtiger und sehr schöner Bordeaux. Da stimmt bereits jetz schon viel. In Anlehnung daran, dass ein genialer Wein dies grundsätzlich in allen Phasen seines Lebens ist, ist dieser Tropfen bereits jetzt schon sehr genial. In der Nase Minze, grüne Peperoni und nachgelagertes Cassis. Am Gaumen umwerfend schönes Tannin, tolles Tabakaroma und Frische, die mit Minze und sogar Sauerkirsche unterlegt ist. Toll!

 

PUNKTEVERGABE & ANALYSE RESULTAT

Man konnte die Weine «systemisch» lediglich zwischen 90 und 100 Punkte einstufen. Drei Weine waren für mich persönlich deutlich unter den 90 Punkten angesiedelt. Dazu gehörten Clerc-Milon [82 Punkte], Kelly Fleming [84 Punkte] und Barbour St. Helena [80 Punkte]. Meine drei [!] Sieger mit jeweils WF 9.5+|10.0 oder umgerechnet 96 Punkten waren Lynch-Bages, Pichon-Baron-Longueville und Bulgheroni Lithology.

 

Beim genauem Studium der Resultate, fällt auf, dass diese Verkostung genau das erwartete Resultat zutage brachte: Die jungen Napa-Weine stellen beim Endverbraucher die gestandenen Bordeaux-Grössen locker in die Tasche. Die offizielle Rangliste weist fünf [5!] Napa-Weine in den Top 6! Der erste Bordeaux ist mit Pichon-Baron erst auf Rang 5 zu finden. Meine eigene Bewertung zeigt ein extrem konträres Bild: Von den ersten sechs Rängen sind vier aus Pauillac und lediglich zwei [Platz 3 und 4] aus dem Napa Valley. So sind die Geschmäcker und Sichtweisen verschieden. Gut so!

 

Danke an Gregor Greber und sein Team für einen Tollen Event und einen exzellenten Service.


«WEINE FÜR FREUNDE DES ITALIENISCHEN WEINS!»

Kurz: «Vinamici»! Es ist der 8. Dezember und bereits ist irgendwie Weihnachten. Jedenfalls für alle Liebhaber von Nebbiolo in Form von Weinen aus Barolo und Barbaresco. Die Vinamici luden zur mittlerweile traditionellen Weihnachtsverkostung in ihrer schönen Weinhandlung. Zu verkosten gab es die Crème de la Crème ihrer Produzenten und deren zumeist besten Weine.

Die «Vinamici» sind ein paar passionierte Weinfreunde die im beschaulichen Schweizer Schönenwerd eine rein auf Piemont ausgerichtete kleine aber feine Weinhandlung betreiben. Wie eine kleine Genussinsel steht ein trotziger roter Kasten aus grauer bzw. industrieller Vorzeit mitten auf dem ehemaligen Bally-Areal [ja, die mit den Schuhen und Taschen!]. Dieses kleine Eiland ist heute umgeben von modischen Weltmarken eines eher weniger von Erfolg gekrönten Outlet-Centers...

 

30 Tolle Weine zur Hauptsache aus Barolo und Barbaresco gab es zu verkosten. Dazu noch ein paar Flaschen aus Roero und Gattinara. Illustre Namen wie Roberto Voerzio, Renato Cornio, Giacomo Conterno, Matteo Correggia, Paulo Scavino oder Enzo Boglietti waren vertreten. Trotz vielen 2014ern, gab es keinen einzigen Wein, der absolut aus der Reihe fiel. Alle lagen irgendwo zwischen gut und sehr gut. Doch ein paar schwangen weit obenaus und beeindruckten mich sehr.

 

Danke Manuel Bürgi, Andy und alle anderen Amici für die Einladung und die tolle sowie familiäre Verkostung.

BAROLO

Enzo Bolgietti, Arione, 2011: Unheimlich rosig mit schöner Fruchtwürze. Sehr fokussiert und aromendicht. Grande.

WF: 9.0|10.0

 

Giuliano Corino, Arborina, 2014: Kraftvoll und trotzdem mit viel Eleganz gesegnet. Tolles Arborina-Aromenspektrum. In sich ruhend und überzeigend.

WF: 9.0|10.0

 

Roberto Voerzio, Cerequio und Rocche dell‘Annunziata, 2012: Ich weiss nicht. Beide waren gar nicht mein Fall. Primär alkoholische Nase. Dahinter versteckte Aromen nach Heu und Blumen. Am Gaumen wirkt das Tannin etwas gar ungestühm. Frische fehlt komplett. Bin etwas verwirrt. Hatte letztes Jahr 2013/2014er verkostet. Die waren komplett anders.

WF: 8.0|10.0

 

BARBARESCO

Fontanabianca, Bordini, 2015: Einnehmend schöner und eleganter Barbaresco. Florale Noten in der Nase. Am Gaumen dann Teer und ein feiner Tabakton. Sehr weiche Tanninstruktur.

WF: 9.0|10.0

 

ROERO

Matteo Correggia, Roche d‘Ampsèj, 2013: Unwahrscheinlich dichter und voller Wein. Da ist zwar keine Leichtigkeit zu erahnen, aber hier passt sonst alles zusammen. Tiefdunkle Nase, Schwarzkirschen, Teer und Graphit. Vielschichtiger und grossartiger Wein für Liebhaber aussergewöhnlicher Piemont-Tropfen.

WF: 9.0|10.0

 

GATTINARA

Giacomo Conterno. Der Maestro hat Anfangs 2018 das Weingut Nervi im nördlichen Piemont übernommen. Seit 2012 amtete er dort bereits als Freund und Berater. Er weiss also was er hier hat und was er macht. UND WIE ER DAS TUT! Alle drei Nervi-Weine, die nun mit der Handschrift von Giacomo Conterno daherkommen, sind schlicht und einfach grossartig. Sehr leicht und feingliedrig. Sie fliegen schon fast. In der Nase wirken die Aromen als ob sie von Seide getragen würden. Extreme Mineralität und Tiefe am Gaumen. Fast schon teeige Trinkigkeit stellt sich dabei ein. Sie bewegen sich von der Stilistik her irgendwo im Dreieck Burgund, Piemont und Ätna. Einfach bezaubernd.

WF: 9.0|10.0 für den «Classico»

WF: 9.5|10.0 für die beiden Lagenweine!



EIN AMBASSADEUR - ÜS SALGESCH!

Bei dieser Vertikalverkostung widmeten sich fast ein Dutzend Weinliebhaber dem Paradewein Ambassadeur des Weinguts Adrian & Diego Mathier. Ein Tropfen der über Salgesch, die Kantonsgrenzen, ja sogar über die Schweiz hinaus für Furore sorgen kann und es zuweilen auch tut. Zur Probe standen die Jahrgänge 1995 bis 2016 [fast durchgehend!] gut gekühlt in der brütend heissen «Stube» bereit. [mehr...]

Download
Vertikalverkostung Ambassadeur 1995 - 2016
16 Jahrgänge eines der besten Pinots der Schweiz.
24082018_Vertikale_Mathier.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.0 MB


CHE BELLO… TIGNANELLO | VERTIKALE 2008 - 2014

Tignanello ist ein Lagen- und Lagerwein. Um genau zu sein, gibt es zwei Lager. Die eine Seite schreit gen Himmel: «Tignanello trinken und sterben!». Aus der anderen Ecke vernimmt man den verbitterten Satz: «So einem gemachten Shit will ich nicht saufen!». Ohne mal eine eigene Untersuchung gemacht zu haben, kann man ja eigentlich unmöglich mitreden. Fand ich. Es fanden sich auch andere. Was wir auf dieser kurzen italienischen Vertikale entdeckten, war und ist ein Aus-nahmekönner. [mehr...]

Download
Tignanello - Vertikale 2008 - 2014
16022018_NIGHTof49.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.2 MB


«DAS IST BLASPHEMIE, DAS IST WAHNSINN, DAS IST SPARTA!»

Wieder mal eine aufopfernde Verkostung von weinfanatic and friends. Thema war... eigentlich kein Thema. Aus zwei Kellern fanden sechs Tropfen den Weg auf den Tisch. Einerseits kamen der «Gravonia», der «Luigi Bosca» und der «Marcarini» in einem Paket. Andererseits wurden die drei Weine «Clos des Papes», «Saffredi» und der «Shafer Hillside Select» vom bisherigen Besitzer mit dem Filmtitel «300» in die Schlacht geschickt. Im Nachhinein stellten wir fest, dass es nur 298 oder 299 Parkerpunkte waren, die da zusammenkamen. Im Stress fand nämlich der falsche Jahrgang des Saffredis den Weg in die Kiste. Aber wen kümmerte das schon? Saffredi hat sowieso ein Generalabonnement auf den Punktezahlen 97, 98, 99 und 100.

 

Alle Weine wurden blind und in Begleitung eines ausgelassenen Essens verkostet und danach getrunken! An dieser Stelle gebührt ganz grosser Dank an Keila, Thomas und Markus für die tolle Gesellschaft. Noch mehr Dank geht aber an Maria und Röbi vom Restaurant «Zum Alten Löwen» Zürich. Für die exzellente Küche. Für ihre wohlige Gastfreundschaft. Für den wunderbaren Event! Danke!

 

Und so war es…

VINA TONDONIA, GRAVONIA, 2001

Ein herrlich gereifter grosser Weisswein. Blind ihn richtig zu verorten, wäre zumindest für mich sehr schwierig geworden. Keine Petrolnote, keine Botrytisaromen, knochentrocken, nach wie vor perfekte Säure und eine honiggüldene Farbe. Hä!? Riesling kam nicht in Frage. Bordeaux passte auch nicht. In Italien gab es zu wenige Vertreter die es sein könnten. Somit war es für den Kenner und Weinproduzenten Thomas Gromann am Tisch klar: «Es kann eigentlich nur ein sehr guter Rioja sein.» Verdammt – Wie geil ist das denn?! Da blieb einem die Spucke weg.

 

WF: 9.0|10.0 [erhellend anders!]

 

LUIGI BOSCA, GALA 1, 2006

Einer meiner bevorzugten Weine aus Argentinien. Der Grund seiner Teilnahme lag darin, dass er in erster Linie ein toller Tropfen ist. In zweiter Linie lag es daran, dass eine Person in der Runde partout verweigerte der Traubensorte Malbec «Grösse» zuzugestehen. Das führte dazu, dass sie eines Besseren belehrt wurde. Ein sehr gut gereifter Rotwein. Relativ schmal, geschmeidig und edel tänzelte er auf der Zunge. Beim nochmaligen Verkosten fiel uns aber auf, dass es der einzige Tropfen war, der schlicht kein Terroir hatte. Bei jedem anderen Wein der Runde konnte man ein oder mehrere Länder nennen. Der «Gala 1» hätte aber von überall stammen können. Als wiederum Thomas Gromann aber plötzlich sagte «Hm, sowas könnte etwas gut Gemachtes aus Tannat und Malbec sein….» fiel ich fast vom Hocker. Toller Wein den man als nicht-Terroirist lieben wird.

 

WF: 9.0|10.0 [don’t cry for meeee Argentiiiiina]

 

MARCARINI, BAROLO BRUNATE, 1985

Ein Wein mit 32 Lenzen auf dem Buckel. Immer noch lebendig und relativ dunkel im Glas. In der Nase konzentrierte Zigarrenkiste, abgewetztes helles Leder, Pilze und Waldboden. Am Gaumen teeig, mit nach wie vor feinen Tanninen und unterstützendem Säuregerüst. In der Runde konnte er relativ einfach in die Nebbiolo und damit in die Piemont-Ecke eingeordnet werden. Ich selbst – als Spender des Tropfens – war nicht ganz restlos überzeugt. Habe ich mir doch etwas mehr «blumige Kräuterigkeit» vorgestellt.

 

WF: 8.0|10.0 [noch gut]

CLOS DES PAPES, 2007

Der Clos des Papes war der erste Wein der «300er» Serie. Beim Schnuppern ganz viel mediterrane Aromen. Von Lavendel über Garrigue zu Rosmarin und hin zu Rosen etc. war alles im Glas was Rang und Namen hatte. Am Gaumen sehr mundfüllend, warm und einnehmende Würzigkeit. Doch die Dosis stimmte in allen Belangen. Der Abgang war irrsinnig lang. Für mich persönlich hatte der Wein eine dermassen würzige und gleichzeitig mineralische Note, dass ich mir schlicht nicht vorstellen konnte, dass es kein Tropfen aus Südfrankreich sein konnte. Allenfalls ein edler Garnacha aus Spanien hätte hier als Querschläger in Frage kommen können.

 

WF: 9.5|10.0 [cabron, que es muy guay]

 

SAFFREDI, 2011

Bereits beim ersten Riechen war klar: Wir sind in Italien. Meine Vermutung ging in Richtung Flaccianello oder Cepparello. Cremig edle Aromen, dunkle und tief-beerige Frucht, Minze, ein wenig Eukalyptus und Schwarzkirschen. Hach…wie geil ist das denn!? Am Gaumen ein typischer «Eraser»: Der Wein lässt alles bisher Getrunkene einfach vergessen. Eine unglaubliche Schönheit im Glas. Bereits mehrmals habe ich geschrieben, dass es für mich ein absolutes Rätsel ist, wie Elisabetta Geppetti es jahrein jahraus schafft diese Konstanz ins Glas zu bringen. Der Saffredi ist einer jener Tropfen den man jedes – aber wirklich jedes Jahr – schlicht blind kaufen kann. UND SOLLTE!!!

 

WF: 10.0|10.0 [steht immer wie eine Eins]

 

SHAFER, HILLSIDE SELECT, 2010

Einer meiner erster Shafer und ganz sicher der absolut erste «Hillside Select». Ein bisschen dunkler und dichter als die anderen beiden vorangehenden Weine. Dunkle Kirschen, viel Geschmeidigkeit und Noblesse. Bereits im Ersten Anlauf war mir nach Bordeaux. Zuerst vermutete ich kurz es handle sich um einen Péby-Faugères 2005 [auch ein 100er...]. Der Hillside hatte die gleiche Wucht im Glas. Diese ist aber nicht pervers oder übertrieben. Beim Wein steht alles an seinem Ort. Mit der Zeit öffnete er sich und wurde zu meinem absoluten Liebling der Verkostung. Es kam mir dabei schlicht nicht in den Sinn an einen Kalifornier zu denken.

 

WF: 10.0|10.0 [Taylor Swift unter den Weinen ;-)]



«DIE ÖNOLOGISCHE SUPERNOVA »

Die Verkostung eines ganzen Jahrgangs der Domaine de la Romanée-Conti [DRC] ist ein Privileg und allenfalls ein einmaliges Erlebnis für jeden Weinfanatiker. An dieser Stelle könnte man nun technisch werden und über das damalige Wetter sprechen. Oder erklären wie der Vegetationszyklus verlief. Das interessiert keine Sau. Es gibt Weingüter die performen jedes Jahr. Dazu gehört sicherlich DRC. Warum also mit «Technik» langweilen? Eben…

 

Ob die Weine es wert sind, dass man für sie reguläre Einkaufspreise zwischen CHF 250.- [Corton] und CHF 3‘600.- [Romanée-Conti] ausgibt? Das ist eine müssige Frage, die man nie für alle zufriedenstellend beantworten wird, da jeder für sich, andere Grenzen, Werte und Bemessungsparameter setzt. Warum ein Designersofa kaufen, wenn es doch ein IKEA-Möbel auch tut? Warum Alba-Trüffel kaufen, wenn die Knolle aus Zürich-Brunau auch «trüffelig» riecht? Warum, warum, warum? Darum!

 

Die Weine der Domaine der la Romanée-Conti sind eine Familie. Sie am Stück zu verkosten und zu trinken offenbart diese quasi «Blutsverwandtschaft» stark und macht dadurch eine präzise Beschreibung und vor allem Abgrenzung zwischen den einzelnen Weinen [zumindest für mich] relativ schwer. Grundsätzlich sind alle Tropfen auf einem sehr hohen Niveau, welches ich als «ausgezeichnet» einstufe. Würde man jeden der verkosteten Preziosen blind in eine Verkostung vergleichbarer Weine reinschmuggeln, ginge kein Weg an ihnen vorbei. Auch das ein Aspekt in Bezug auf die Frage «Sind sie es wert!?».

 

Als wahnsinnig gut beurteilte ich den Montrachet. Ein Wein mit dem Stempel «one of a kind». Die Feuerkraft [im wahrsten Sinne des Wortes] ist gewaltig und unterstreicht, dass es auf diesem Level nicht mal so sehr um die Herkunft, Terroir oder die Traubensorte geht. Der Wein geht in sich auf und ist quasi alleinstehend und unvergleichlich. Bei den Roten formierten sich alle sieben zu einem önologischen Wall der vermutlich jeden Liebhaber und Geniesser umzuhauen vermag.

Download
Verkostungsnotizen DRC 2014
Alle Weine der Domaine de la Romanée-Conti des Jahrgangs 2014 auf einen Blick
261017_DRC_Verkostungsnotizen.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1'014.5 KB

Auf dieser Weinwelle gab es zwei kleine Dellen und gleich viele Erhebungen. Nach «unten» schlugen aufgrund ihrer jugendlichen «Kraft» der Echezeaux und der St-Vivant aus. In göttliche Gefilde erhoben sich hingegen La Tâche und der Romanée-Conti himself. Das alles spielte sich jedoch in schwindelerregenden Höhen ab, die andere Burgunder – vor allem in diesem zarten Alter – schwerlich oder eher treffend: Niemals erreichen werden!

 

Fazit: Der Akt bzw. die Verkostung aller Weine der Domaine de la Romanée-Conti war einer der bewegenden Momente meines bisherigen Weinlebens. Ich habe viel dazugelernt und erfahren dürfen, dass Grenzen nur existieren, weil man sich diese selber setzt. Die rund zwei Stunden ruhigen Genusses der acht Tropfen sind in eine Reihe mit einzigartigen Lebensmomenten zu stellen. Wie das jugendliche Beobachten des mitternächtlichen Sternenhimmels mit seiner Angebeteten zum Beispiel. Es ist allgemein ruhig, schön und wird ab und zu mit einer Sternschnuppe belohnt. Unbezahlbar...



«AUS SPASS WURDE ERNST» [6. Juni 2017]

Gestern fand in einem geschützten Rahmen und umgeben von Wasser, dem Elixier des Lebens, eine Verkostung von verschiedenen Säften des önologischen Genusses statt. Es war an der Zeit das FB-Fernglas abzustreifen und mal «Fremdgrasen» zu gehen quasi. vvWein bat zu Tisch und weinfanatic hat ordentlich angebissen. Dabei wurde aber auch verkostet, diskutiert, gelacht und genossen. Wir lebten also «vom Glück in den Mund»…oder so…

 

Zum Thema «Easy Going – You will get one, you never had before» hat jeder von uns je vier Weine geöffnet. Am Schluss waren dann doch zehn Flaschen auf dem Tisch. Fast alle Tropfen wurden vor, während und nach dem Essen zuerst blind verkostet, dann aufgelöst und mit gutem Augenmass getrunken. Es wurde zuerst Weiss- und dann Rotwein genossen. Die folgenden lockeren Verkostungsnotizen sind jedoch entsprechend der Reihenfolge der Weine auf dem Bild. Es fehlte der Wille das Chaos zu ordnen…

Domaine Gauby, 2011: Blind waren da zuerst Assoziationen mit einem Pfälzer Riesling. Schaurig schöne Mineralität und Frische die man so nie und nimmer in den Südwesten Frankreichs verorten würde. Die Nase ist vordergründig erfüllt von Vulkangestein, Basalt und abgebranntem Zündholz. Dahinter dann doch helle Früchte und etwas Zitronenmelisse. Am Gaumen schön straff und geniale Frische. WF: 8.5/10.0

 

Féchy la Colombe, 2015: Chasselas muss einem liegen. Es gibt viele Weinkenner, die der Sorte grosse Langlebigkeit und sehr viel Potenzial attestieren. Teilweise scheint es, dass die Traubensorte in den letzten Jahren «stylisch» geredet wird und mancherorts richtiggehend in Mode kommt. Dagegen spricht die penetrante Bitterkeit und der plumpe Auftritt. Sogar der exzellente Ziegenkäse hat geschmollt. WF: 7.5/10.0

 

La Maison Carrée, Auvernier, 2014: Eine echte Wucht im Glas. Nicht der Kraft wegen. Nein. Es ist die unglaubliche Würzigkeit und Frische die der Wein ausstrahlt. Diesen beiden Elementen ist es geschuldet, dass blind verkostet für einen Wimpernschlag nicht klar war, ob sich ein reiner Pinot im Glas befindet. In der Nase strahlten viele rote Beeren, Heu und verschiedene Gräser um die Wette. Am Gaumen äusserste Präzision und wunderschöne sowie echte burgundische Frische. WF: 9.0/10.0

 

Emidio Pepe, Montepulciano d’Abruzzo, 2013: Irgendwas süditalienisches wird es wohl sein, war der erste Gedanke. Eine gewisse Stalligkeit und ziemlich vorherrschende Kelleraromen spielten sich in der Nase auf. Für einen Montepulciano – dazu noch so einen jungen – war der «Pepino» am Gaumen dann ok. Mehr lag nicht drin. Am Tisch waren wir uneins ob der Tropfen nun Brett hat oder nicht. Worin wir uns aber einig waren, war der Punkt, dass Montepulciano bei uns allen die Kellertür höchstens als Geschenk passieren darf… WF: 7.5/10.0

 

Jan Luzi, Completer, 2010: Ein Buss- und Betwein quasi. Die Traubensorte, welche die meisten Winzer im Bündnerland restsüss ausbauen, macht Jan Luzi einfach trocken. Der 2010 war sein erster Jahrgang. In der Nase wirkt er gereift. Birne, Karamell und staubige Kieselsteine. Am Gaumen sehr schöne Säure die ihn weit trägt. Da ist nichts mehr [vermeidlich] Oxidatives sondern ganz viel Spass im Glas. Blind wurde er von «Aussereuropa» bis Südafrika eingeschätzt. Aussereuropa traf es eigentlich ganz gut ;-) WF: 8.5/10.0

Fra di Noi, Le Cinciole: 2011: Ein Wein den es nur über Schleichwege und Saumpfade zu kaufen gibt. Ziemlich einfach war der – in diesem Fall sehr noble – Sangiovese zu erahnen. Dunkel Mineralität mit vielen Beeren und einem Schuss warmen Asphalt. Am Gaumen gelenkte Kraft mit viel Biss und Saftigkeit. Eigentlich typisch. Das Erstaunliche war, dass der liebe «Fratello» noch einen Anteil von 50% Cabernet Sauvignon in sich trägt. Nicht mal wenn man es weiss, kommt man drauf. Ein ausgezeichneter Toskaner. WF: 8.5/10.0

 

Chevalier des Vins, Merlot, 2014 [Eigenkelterung weinfanatic]: Dieser Wein wurde dem sterbenden Leib des Weinguts Cicero entrissen und von ein paar Weinverrückten abgefüllt. Einer davon ist der Schreibende. In der Nase Orangenschalen, Minze und etwas Eukalyptus. Am Gaumen sehr schöne Säure und ein asketischer aber athletischer Körper. Langer Nachhall auf teeigen Noten. Darf man sagen, dass man seinen Wein mag?! Ja?! I LOVE IT!! WF: 9.0/10.0

 

Krauthaker, Pinot Crni «Selekcija», 2012: Eindeutig als Pinot mit «Wumms» identifiziert. Doch woher nur? «Pfalz mit guter Röstung» war das eindeutigste Verdikt. Die «Röstung» war aber schlicht das Mehr an Sonne, welche ein Pinot aus Nordkroatien geniessen darf. Am Gaumen folgte überraschend viel Frische und Geschmeidigkeit. Ein Wein mit viel Eleganz und Noblesse wie ich sie selber definiere. Denn eine Frau mit Kurven kann sehr elegant wirken. WF: 8.5/10.0

 

Cuccaro, MMXV 10 Anni, 2015 [Eigenkelterung vvWein]: Ein zurückhaltender und stiller Wein, der aber schon in der Nase eine gewisse Tiefe andeutete. Bei der Blindverkostung war das Urteil «Norditalien bzw. Piemont» ein Punkttreffer. Es war die Kühle, Komplexität wie auch Mineralität die ihn geographisch verraten hatte. Dass da aber Barbera und Cabernet Franc drin schlummerten, war schlecht zu erahnen. Der CF hatte Tante Barbera so sehr umarmt, dass sie gänzlich unsichtbar schien. Ein schöner Wein, der mit etwas Alter wohl zulegen könnte. WF: 8.5/10.0

 

Michel, Spätburgunder, 2009: Ja, der Michel Spätburgunder hatte Holz gesehen. Das eindeutig und nicht zu wenig. Doch wenn man es mag, ist die Welt in Ordnung. Das war sie. Der deutsche Spätburgunder ist da relativ gut erkennbar. Der Wein hat trotz seines aktuellen Alters durchaus Potenzial für weitere 5 Jahre. Dabei wird er wohl nicht mal richtig müde werden. WF: 8.0/10.0


Am Schluss bleibt nur noch, den Gastgebern einen Dank auszusprechen. DANKE! Es war ein lustiges und genussreiches «Blinddate» in Eurem Wasserschloss. Nach dem ganzen Spass, können wir dann beim nächsten Mal zu den ernsthaften Sachen übergehen ;-)


SWISS PREMIUM PINOT NOIR | «VOLLKOMMEN...UND VOLL GEHEN...»

Die vorliegende Verkostung hatte keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Idee war es, einen Querschnitt durch die Schweiz in Sachen hochstehende Pinot Noir zu wagen. Die einen hätten wohl Genf nicht eingeschlossen und dafür einen Vertreter aus der Waadt eingeschleust. Anderen wären vermutlich eher Schaffhauser Preziosen in den Sinn gekommen, anstatt einem Aargauer Eintritt in den edlen Club zu gewähren. Dem Schreibenden selbst wäre es zum Beispiel auch nie in den Sinn gekommen, einen Wein aus der Region Bielersee in die Verkostung aufzunehmen. Wäre da nicht vor ein paar Monaten eine spannende Begegnung mit dem Mikrowinzer Thomas Gromann gewesen.

 

Sein Wein hat zur Überraschung aller die vorliegende Blindverkostung «gewonnen». Dabei hat der Tropfen bedeutenden Namen weit hinter sich gelassen.

Weingüter die mit einer langen Geschichte, Renommee und wahrlich grosser Klasse auffahren können. Dasselbe gilt für den zeitplatzierten Wein.

Doch, alles der Reihe nach...

 

Stay tuned, stay fanatic - weinfanatic

 

Download
Swiss Premium Pinot Noir - Diagonal
Eine diagonale und selektive Verkostung Schweizer Premium Pinot Noir. Von Genf nach Fläsch!
12052017_Report_Switzerland_Premium_Pino
Adobe Acrobat Dokument 1.7 MB


«TOSCANA PREMIUM: LUFTIGES, EXPLOSIVES UND SCHWEINISCHES»

Eine Region. Zwei Gebiete. Sangiovese und «internationale» Rebsorten. Hauptsächlich Jahrgang 2012. Drei Flights. Weine im Premiumsegment. Ein Dutzend überzeugender Tropfen. Das zur Ausgangslage.

 

Doch wer konnte innerhalb seines Flights und über die ganze Verkostung hinweg die meisten Liebhaber überzeugen? Wer war gebietstypisch, der Traubensorte treu, umwerfend und wer enttäuschend? Fragen auf die wir Antworten gefunden haben.

 

Unser Anspruch bei dieser interessanten Verkostung war es, die Premiumklasse der Toskana etwas besser zu fassen zu kriegen. Dazu haben wir einer Fussballmannschaft gleich, eine toskanische bzw. önologische «Squadra Azzurra» gebildet. Wie dies Trainer jeweils auch tun, war dies ein subjektiver Akt. Auf dieser Reise haben wir Traumfalter, Tischbomben und Rampensäure gefunden und erlebt... [mehr]

Download
Degustationsreport «Toscana Premium»
Report über Weine der Toscana [Chianti Classico und Bolgheri/Maremma] sowie umfassende Degustationsnotizen.
160117_Report_ToskanaPremium_weinfanatic
Adobe Acrobat Dokument 737.2 KB


«PRALINENWEINE – UND JETZT!?»

Es war ein toller Abend. Umrahmt von mehrheitlich wunderbaren bis ausgesprochen schönen australischen Weinen. Viele von uns kennen die Vorurteile welchen Aussie-Tropfen stets ausgesetzt sind: Sie seien dicht, fett, süss und alkoholstark.

 

Ja, das sind sie. Und jetzt, wo genau ist das Problem? Am besten mal einfach innehalten, die Praline fokussieren, Freude zulassen, auspacken, sich am Anblick weiden und den süssen Biss geniessen... [mehr]

Download
Penfolds Degustation
Penfolds Jahgangsdegustation 2016 am 1. Dezember 2016 im Park Hyatt Zürich
08122016_Penfolds.pdf
Adobe Acrobat Dokument 832.7 KB


«WENN EIN STAMM, EINE ALTE DAME UND EIN METZGER ZUSAMMEN...»

Weinverkostung Chevaliers des Vins

25. November 2016

 

Gehst Du auf Reisen, kannst Du was erleben...oder so... Bei den vielen Weinreisen die wir bereits schon unternommen haben, sind wir zu 95% aufgeschlossenen, netten und zuvorkommenden Winzern begegnet. Ein paar dieser Künstler hatten richtiggehend Freude an der Dynamik die manchmal so eine Sechsergruppe entfachen kann :-) Daraus entstanden wunderbare Gespräche und fast ein wenig Wehmut wenn die Verkostung und das Treffen vorbei waren.

 

Fassproben sind ein Ehre die manche Winzer ihren Gästen zuteil werden lassen. Bei einigen ist die Freude über so viel Weinfreu[n]de manchmal so gross, dass sie uns «einfach so» was mitgeben. «Hier habt Ihr was um später anzustossen!» [Weingut Stamm, Chardonnay No. 7]. Die ältere Dame bei Gros Frère et Soeur sagte nichts. Behielt jedoch ihren Steinway-Flügel im [modernen] Gewölbekeller stets im Blick. Man weiss ja nie bei der Jugend von heute dachte sie sich wohl. Trotzdem schenkte sie uns – wie es Grossmutti früher tat – ohne viel zu sagen diesen Vosne Romanée. «Ihr seid etwas verrückt, aber das gefällt mir an Euch. Hier, nehmt einfach diese 6er-Kiste. Ein paar Experiment an denen ich gerade dran bin. Noch eins: Es wird nicht gespuckt!!!» [Hans Schwarz - CS, Syrah und Blaufränkisch – nach einem Verkostungsmarathon. In der Folge mussten wir zwei verbleibende Verkostungen die an diesem Tag schon geplant waren, verschieben...]. Gewisse seiner Experimente sind nun tatsächlich marktfähig. Wir haben das Glück exklusiv quasi in der Zeit zurück zu reisen und die Experimentierphase nochmals zu durchleben. What a live-hack!!

 

Wird Zeit das Zeug zu trinken. Heute. Zu sechst. Im Erinnerung. Danke Thomas Stamm, Madame Gros und Hans «The Butcher» Schwoarz!!! 

Nummer 7, Chardonnay, Stamm, 2009

N: Buttergipfeli, reife Pfirsich, Wachs

G: Steine, Azetonton, Kerzenwachs, rauchig

WF: 7.5 [ganz ok]

 

Kommentar: Leider ist der Chardonnay von Thomas Stamm nicht mehr ganz so stramm. Es wird wohl das Alter sein, das ihn etwas dumpf und stumpf erscheinen lässt. Die Säure kickt nicht mehr, die Geschmeidigkeit ist oberflächlich und das Alter real! Sonst ist der Tropfen in der Jugend ein knackig-fetter Beisser! Wir hätten auf Thomas hören und ihn früher geniessen sollen.

 

Vosne Romanée, Gros Frère et Seour, 2008

N: Keller, Erdbeere, Himbeere, Cremigkeit

G: Schöne Säure, subtil und fein, rauchiger Abgang

WF: 7.5 [ganz ok]

 

Kommentar: Nun gut - Dies ist sicherlich nicht der beste Vosne Romanée den man sich gönnen kann. In der Nase ist die Mischung sehr eigenartig. Wie ein Keller in dem Erdbeerjoghurt hergestellt wird. Der Schreibende kennt eine Familie die gleichzeitig eine Metzgerei und Bäckerei betreibt. Im selben Raum und nur durch eine Kundenzone getrennt. Nach 30 Sekunden wird einem in diesem Laden schlecht. Geht gar nicht. So ist der Naseneindruck bei diesem Wein. Am Gaumen dann ganz passabel wenn auch sehr subtil. Man muss die Eindrücke richtig suchen. Das ist bei Burgundern nicht aussergewöhnlich. Aber nicht in der Schmeichler-Appellation Vosne Romanée.

 

Beneath the Six Suns, CdV, Merlot, 2014

N: Dunkle Beeren, Vanille, Zedernholz

G: Blutorangen, kräftiges Tannin, Flipper am Gaumen

WF: 9.0 [geiles Teil - wird immer besser]

 

Kommentar: Ok, es ist unser Wein. Trotzdem ist dies schlicht ein wahnsinnig geiler Tropfen. Vielleicht liegt es daran, dass er unüblich lange im [gebrauchtem!] Fass lag und dadurch einfach mehr Charakter aufbauen konnte. Die dunklen Früchte und schönen Hölzer in der Nase sowie der derzeit sehr präsente Geschmack nach Blutorangen machen ihn schlicht unwiederstehlich. Ein sehr toller Wein.

Hans Schwarz, BF, 2009 [Experiment]

N: Fein, präzis, Brombeeren

G: Filigran, Sauerkirschen, rote Pflaumen

WF: 8.5 [sehr gut]

 

Kommentar: Wir haben die Erfahrung machen können, dass junge Österreicher aus Zweigelt aber auch Blaufränkisch eine Art starken Grünton sowie kräftige unangenehmen Tannine aufweisen können. Gleichzeitig lernten wir, dass Blaufränkisch am besten ein Jahrzehnt liegen sollte bevor mal überhaupt mal daran denkt, dass man den mal trinken könnte. Dann können sie wahrlich zum niederknien sein. So war es dann auch beim BG von Hans Schwarz. Wunderbare Subtilität gepaart mit schöner und nachdrücklicher Kraft. Wir hatten alle Freude.

 

Hans Schwarz, CS, 2009 [Experiment]

N: Peperoni, frisches Leder, Tannenzapfen

G: Kraftvoll, dicht, schönes Tannin, Vanille

WF: 8.5 [sehr gut]

 

Kommentar: Die Trauben sind «ennet» der Grenze - also in Ungarn - gewachsen. Ein toller Wein mit vielen typischen Cabernet-Assoziationen. Natürlich viel Peperoni. Da ist aber auch Stoffigkeit in der Nase und am Gaumen. Doch fett ist er nicht. Schöne Anschmiegsamkeit trotz eines kräftigen Bodies. Ungarisches Temperament und österreichischer Schmäh irgendwie. We like!

 

Hans Schwarz, Shiraz, 2008 [Experiment]

N: Wow, süsslich, eingekochte Heidelbeeren

G: Dicht, hammer-geil, schöne Süsse, dunkelbeerig

WF: 9.0 [mit jedem Glas wächst das Suchtpotenzial]

 

Kommentar: Der Star des Abends. Genial schöner Shiraz. Die Schreibweise ist schon korrekt. Das «Z» assoziiert man mit Australien. Dorthin kann man ihn gut hintun. Nichtsdestotrotz ist er aber europäisch ruhig. Die Süsse ist zwar da, aber nie penetrant. Gut dosiert ist er. Wir können absolut verstehen, dass Hans «The Butcher» Schwarz dieses Filetstück aus seinem Keller nun auf dem Markt feilbietet. Danke Hans!!

 

Wunderbarer Abend mit tollen Menschen. Nothing to add. 



«WINE & DINE: THREE CHEFS & A WINEMAKER»

Zürich, 27. September 2016 - Im Rahmen eines perfekt organisierten Wine & Dine wurden rund 70 Geniesser|innen im Zürcher Restaurant Metropol Zeuge der Schaffenskunst von Silvio Denz. Alle 7 verkosteten Bordeaux vermittelten den hohen Qualitätsanspruch des Winzers an seine Vignobles. Sie weisen eine moderne Machart auf, sind jedoch in ihrem Wesen elegant, eher zurückhaltend und ehrlich. Damit verkörpern sie in perfekter Art und Weise die Tugenden von Silvio Denz selbst. Davon konnten sich alle Anwesenden am Abend live überzeugen: Stellte sich doch der Winzer offen, gut gelaunt und geduldig den Fragen und Anregungen verschiedener Geniesser|innen.

Liste und Verkostungsnotizen der Weine des Abends.

Le Lys de Lafaurie Peyraguey, 2014

N: Schöne Frische, Limetten, Heu

G: Honig, Gebäck, feines Toasting, perfekte Säure

WF: 8.0 [gut]

 

Ein guter und süffiger Apérowein der die asiatisch angehauchten Häppchen exzellent begleitete. Denn der Tropfen verfügt über einen dezent süsslichen Einschlag. Eine Spur «Sauternes» schwingt hier deutlich mit im Aromen-Orchester.

 

Château Lafaurie Peyraguey, 2014

N: Wachs, etwas Honig, feine Rauchspur

G: Vordergründige Säure, Kiesel, Banane

WF: 8.0 [gut]

 

Der Wein war gegenüber der ersten Verkostung (im Januar 2014) eher etwas hart. Irgendwie wollte er nicht freiwillig aus sich rauskommen und die gewohnten süsslichen Aprikosen- und Pfirsichdüfte preisgeben. Schade. Kühl genug war er. Vielleicht hätte er mehr Zeit im Glas benötigt. Sonst durchaus ein wunderbarer Schmeichler mit Volumen, Druck, Trinkfluss und ausgeprägter Früchtekorb-Aromatik.

 

Château Cap de Faugères, Côtes de Castillion, 2012

N: Dunkelbeerig, frisch, Peperoni

G: Kakaobohnen, Bleistift, easy-going

WF: 8.5 [sehr gut]

 

Gefiel diesmal noch besser. Ist runder, bereiter und irgendwie tiefer als in der Erinnerung. Die Preis-Leistung ist echt genial und der Wein in seiner Klasse ohne Makel. Das Jahr 2012 war ausgesprochen schwierig. Merkt man jedoch im Glas kein bisschen. Töp Töp!

 

Péby Faugères, Grand Cru Classe St. Emilion AC, 2011

N: Mon Chéri, dunkle Schokolade, Bourbon-Vanille, Trüffel

G: Weiches Tannin, Tannenzapfen, Minze

WF: 9.5 [ausgezeichnet]

 

Ein durch und durch exzellenter und grosser Bordeaux. Sicherlich kein Leichtgewicht. Unheimlich tief, mehrschichtig und nachhaltig am Gaumen. Péby passte perfekt zu Baby Chicken. Moderne Machart doch im Verbund mit viel Eleganz. Beeindruckender Wein (siehe dazu Péby Vertikale).

 

Château Faugères, Grand Cru Classé St. Emilion, 2010

N: Dicht, dunkle Beeren, Zwetschgen

G: Tabak, eine Spur Gummi, rund und weich

WF: 9.0 [sehr gut bis ausgezeichnet]

 

Zu Beginn ein wenig verschlossen und eher fett. Verlor deutlich gegenüber dem gleichzeitig verkosteten 2012er. Doch mit der Zeit öffnete er sich und gewann immer mehr an gegliederter Power. Ein klasse Wein aus einem Super-Jahrgang! Wer noch nicht hat: Strong buy!

 

Château Faugères, Grand Cru Classé St. Emilion, 2012 [Magnumflasche]

N: Rote Pflaumen und Kirschen, Himbeeren

G: Balsamisch, feingliedrig, eher rote Frucht

WF: 8.5 [sehr gut]

 

Für ein schwieriges Jahr ein äusserst gelungener und präziser Faugères. In der Ausprägung sehr typisch. Braucht vielleicht noch zwei/drei Jahre um die richtige Figur zu bekommen. Nicht, dass er einen Bauchansatz hätte. Aber die Zeit wird ihm zugutekommen, sodass das derzeit eher rotfruchtig erscheinende Aroma in den Hintergrund treten und der Wein an Mehrdimensionalität gewinnen dürfte.

 

Château Lafaurie Peyraguey, Cru Classé Sauternes AC, 2005

N: Gummi, Pfirsich, Petrol, Waldhonig

G: Zurückhaltend süss, Kandiszucker, seidig weich

WF: 9.0 [sehr gut bis ausgezeichnet]

 

Ein eleganter und aristokratisch wirkender Sauternes. Etwas scheu und zurückhaltend irgendwie. Zu keinem Zeitpunkt wirkt er klebrig oder zu süss. Hat sogar etwas Frische im Abgang und begleitete das Dassert unglaublich gut in die ewigen Jagdgründe.


DANKSAGUNG: Grosser Dank gebührt dem Organisator Weinkeller Riegger, den drei Magiern in der Küche des Restaurants Metropol Zürich (Markus Imboden, Stefan Haas und Benjamin Beck) sowie dem Winzer Silvio Denz für diesen einzigartigen Abend in toller Atmosphäre.


«FROM ZERO TO HERO»

Maxime, Leidenschaft und Ziele zweier Winzer | Eine Vertikalverkostung

Zürich, 7. September, 2016

Nichts wäre einfacher als sich auf dem Erreichten auszuruhen und den Erfolg zu geniessen. Silvio Denz und Fabio Chiarelotto denken nicht im Traum daran. Sie meisseln, schleifen und polieren ihre Weine bis sie noch klarer, präzisier und glänzender werden. Der zweite Verkostungsevent der Vignoble Silvio Denz ermöglichte uns einen eingehenden und zeitlich tiefgreifenden Einblick in die Premiumweine Clos d’Agon Tinto, Gabbro di Montepeloso und Péby Faugères. Die Fokussierung auf stete Qualitätssteigerungen und der Wille zur Weltelite zu gehören, hat aus den ursprünglichen, eher einfachen und bis dato unbekannten Tropfen aktuell wahre Persönlichkeiten werden lassen. Mit Fleiss, Beharrlichkeit, Wissen und Ehrfurcht haben sie aus «Nichts» schlicht «Grosses» erschaffen. Das verdient ehrlichen und wahren Respekt!

 

Weitere Details, Verkostungsnotizen und Interview mit Silvio Denz und Fabio Chiarelotto...

Download
Vertikale Clos d'Agon, Gabbro, Péby 1998 - 2010
Einmalige Vertikalverkostung der Premiumweine der Vignobles Silvio Denz. Selektion aus den Jahrgängen 1998 bis 2010!
1998_2010_Vertikale_Vignobles.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.2 MB


«MÉMOIRE & FRIENDS 2016, ZÜRICH»                           [VERKOSTUNG: 29. August 2016]

Kurzbesuch beim grossen Stelldichein des Schweizer Weins! Sehr viele wundervolle Preziosen in kurzer Zeit verkostet. Eine Vielzahl von bekannten Namen und Gesichtern getroffen. Tolle 2015er Weissweine degustiert. Durchwegs alle «basischen» 2015er Rotweine noch deutlich mit dem Kissenduft des Barrique an der Backe! Doch mit Potenzial... Ein perfekt organisierter Anlass für Liebhaber, Kenner und Profis.

 

Hier in aller Kürze die Top 5 der [nach dem Chaos-Prinzip] verkosteten Weine!

 

#1 - M, 2011, Weingut Pellegrin, Genf

Welch wunderbar würziger «Bordeaux» funkelt hier im Glas. Der grosse Merlot des Weinguts. Unheimlich geschmeidig, dicht, voller dunkler und nachhaltiger Aromen. Wow ist das ein toller-toller Wein. Absolut stimmig und fast schon einmalig in unseren Gefilden. «Einen Söttigen, hatten wir noch nie!» ;-)

[Preis: CHF 55.- | WF: 10.0 a perfect ten!]

 

#2 - Schwändi, Grand Cru, 2013, Baumgartner Weinbau, Aargau

Die Überraschung des Abends. Ein kleines und subjektiv gesehen sehr unscheinbares Weingut im Norden des Kanton Aargau. Der Pinot Noir «Schwändi - Grand Cru» ist balsamisch, eher düster und dunkel doch ebenfalls steinig und mineralisch geraten. Es gebe dort zu 100% keinen Schiefer im Untergrund musste der Winzer auf zweimalige Nachfrage hin bestätigen. Just blasted!

[Preis: CHF 32.- | WF: 10.0 WTF - wonderful, tasty, fabolous]

 

#3 - Wannenberg Chardonnay, 2015, Weingut zum Sternen, Aargau

Schon wieder Weingut zum Sternen. Schon wieder Aargau. Nun, wo Licht ist, ist auch Schatten - dazu dann unten mehr. Zuerst zum Chardonnay von Andreas Meier: Seine Zauberformel ist uns nicht bekannt. Vielleicht schafft er es deshalb von Jahr zu Jahr uns zu begeistern. Sein grosser Pinot «Kloster Sion Resérve» ist IMMER ein sicherer Wert. Der Chardonnay ist vollmundig aber nicht fett. Er ist gediegen aber nicht süss. Er ist geschmeidig aber nicht überreif. Er ist nicht einfach grandios sondern TOP!

[Preis: CHF 22.80 | WF: 9.5 - so gut um ein Bad darin zu nehmen]

 

#4 - Chardonnay, 2014, Weingut Obrecht, Graubünden

Christian und Francisca machen einfach eine tollen Job. Jahrein - jahraus! Ihr Chardonnay 2014 ist genau richtig

komponiert. Es ist alles da.

 

Nichts ist zu gross oder zu grob geraten. Da ist Frische, Cremigkeit, mineralische Tiefe und sehr schöne Länge im Abgang. Der Tropfen ist wie ein Bild, welches in der Mitte durch Schärfe überzeugt und gegen die Ränder hin dem Geniesser eine eigentlich visuell-undeutliche aber gefühlsmässig-klare Ahnung vom Outer-Rim gibt.

[Preis: CHF 34.- | WF: 9.0 - mit Obrecht der Sonne entgegen]

 

#5 - Pinot Noir Barrique, 2014, Erich Meier, Zürich

Viel gelesen, viel gehört, immer wieder gesehen...nie probiert! Endlich war es heute soweit! Die komplette Palette des Zürcher Vorzeigeweinguts ist auf einem unheimlich hohen Niveau. Selbst der Sauvignon Blanc ist fein und würzig geraten. Ohne die übliche [globale] Brennesselnote. Doch hier soll nur ein Wein auf den Schild gehoben werden. Das ist ganz eindeutig der Pinot Noir Barrique 2014. Wunderbare Aromatik. Sehr kompakt wie eine Faust. Aber er lässt sich schön ausloten und überblicken. Eher von der dunklen Sorte. Feiner «teeiger» Einschlag. Er riecht wie ein heisser und dunkler Stein der in den Zürisee getaucht wurde.

[Preis: CHF 33.- | WF: 9.0 - hopp, kippen und Flasche leer]

 

Natürlich waren da auch noch [andere] ganz grosse Namen wie Donatsch, Fromm [beide Graubünden], Bachtobel, Burkhart [beide Thurgau], Jauslin [Muttenz ahoi!], Marie-Thérèse Chappaz, J-R Germanier, Bonvin, Histoire d'Enfer, Rouvinez, all die Mathiers [alle Wallis], Zündel, Tamborini, Gialdi und Agriloro [alle Ticino] ebenfalls am Start. Mit schönen und bleibenden Preziosen.

 

Ebenfalls nachhaltig im «weitesten» Sinne verbleibt Litwan Wein. Bisher drangen nur die höchsten Weihen medial bis in die letzten Weinwinkel durch: Durchstarter, Eleganz ohne Ende, Burgund aus der Deutschschweiz etc. Was im Glas effektiv war: Wässerchen, die von animalischen, rauchigen, teilweise bitteren Noten durchdrungen waren. Einzig «Oberflachs auf der Mauer 2014» hatte sowas wie einen entfernten Cousin der «Eleganz» hiess. I'm sorry... Nun gut: Vielleicht versteht der Schreibende den geflügelten Ausdruck «burgundische Eleganz» nicht. Ok. Kann sein. Man gibt sich geschlagen. Es wird Zeit für die 6. Burgundreise...



«VERTIKALE: PINOT R(H)EIN 2006 - 2013» [Montag, 6. Juni 2016]

Wozu braucht es eigentlich «Pinot R(h)ein»? Denn es gibt andere Vereinigungen sowie wahrlich grosse Namen, welche die Bündner Herrschaft hochhalten und in die grosse weite Welt hinaustragen. Nun, Pinot Rhein ist eine Symbiose wie es sie so eher selten gibt. Je ein Barrique von vier Winzern aus vier [lokalen jedoch verschiedenen] Terroirs werden assembliert und zu etwas Neuem und wahrlich Grossem zusammengeführt. Das Resultat ist in der Breite der Jahrgänge wie auch in der Tiefe und Ausprägung [fast] jedes einzelnen Weins überzeugend [Weitere Details und Verkostungsnotizen].

Download
Vertikale «PINOT R(H)EIN 2006 - 2013»
4 Winzer, 4 Weingüter, 4 Terroirs... Bündner Herrschaft at its best!
090616_weinfanatic_PinotRhein.pdf
Adobe Acrobat Dokument 579.4 KB


«POLTERN BIS ES KRACHT» (Samstag, 7. Mai 2016)

So oder ähnlich kann man das Thema der Degustation zusammenfassen, welche weinfanatic kürzlich durchführen durfte. Die Ausgangslage: Acht Teilnehmer, grosse Spannung, vielleicht ein wenig Respekt vor Wein, ein Heiratswilliger, ein Abwesender und gute Laune. Bevor man(n) den Bettel endgültig an die Partnerin weitergibt, sollte man(n) ein wenig poltern und es nochmals richtig krachen lassen. Quasi eine «Tour d‘Horizon» des Machbaren und des «Genusses». Das önologische Ziel war es, zu zeigen was Wein ist und alles zu sein vermag. Vorurteile und Missverständnisse konnten im Verlaufe des Abends geklärt und aus dem Weg geräumt werden... [Weitere Details und Verkostungsnotizen].

Download
Degustation «POLTERN BIS ES KRACHT»
Quasi eine «Tour d‘Horizon» des Machbaren und des «Genusses».
07052016_DegustationPoltern.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.3 MB


«Vignobles Silvio Denz» | Degustation weinfanatic & friends (Zürich - Montag, 18. Januar 2016)

Welcome to the club...

Es gibt sie noch: Die Visionäre unter uns. Sie begehen unbekannte Pfade und lassen sich auf lustvolle Abenteuer ein. Sie lieben das Ungewisse und sehen darin keine Gefahren, sondern neue prickelnde Chancen, persönlich, charakterlich oder unternehmerisch daran zu wachsen. Dazu geben sie bereits Erschaffenes oder sicheres, heimisches sowie bevorzugtes Terrain auf und stehen einem Fähnrich gleich zuvorderst auf der Geleere, um das Kommende mit offenen Armen zu empfangen. Die Rast und Ruhe ist nicht ihr Ding. Sie wollen bewegen, gestalten, formen und etwas wachsen sehen. In jeder Herausforderung erblicken sie einen Granitblock, der ihnen – einem Bildhauer gleich – die Möglichkeit gibt, diesen zu bearbeiten und seiner wahren Bestimmung zuzuführen. In diesem Stein sehen sie als Einzige den Rohdiamanten, den sie mit Fleiss, Arbeit, Beharrlichkeit und Weinblick zu etwas wahrlich kostbarem vollenden können. Ein solch rastloser Künstler ist Silvio Denz. Seit etwas mehr als 15 Jahren formt er die Vignobles Silvio Denz zur heutigen Grösse und Gestalt. Mit Château Péby Faugères und Château Rocheyron hat er den Olymp bereits erklommen.

 

The Chief Wine Officer

Gäbe es keinen Silvio Denz, müsste man fortwährend auf rein theoretischer Basis darüber sinnieren, ob man Beruf, Berufung und Leidenschaft sowie Spass am Leben vereinbaren und unter einen Hut bringen kann. Man kann. An dieser Stelle ganz unbescheiden muss man seine Präzision, Hingabe, Risiko- und Unternehmersinn, Ehrlichkeit, Fleiss und Weitsicht einmal loben – irgendwie schweizerisch! Gewiss kann und muss er bei dieser Fülle an önologischen Aufgaben einige davon an andere delegieren. Nichtsdestotrotz hat er scheinbar das Gespür und die Ruhe, um Entscheidungen – selbst wenn sie andere treffen – selber weit in die Zukunft zu projizieren und zu antizipieren, ob sie seinen Vignobles den gewünschten positiven Effekt beitragen. Immer scheint es, müssen diese in die Seele und Vision seiner Weinpassion passen. Nicht anders zu erklären ist es, dass ausnahmslos alle Weine seines Portfolios eine schöne Struktur sowie verbindende rote Linie aufweisen. Wir stellten fest, dass seine Preziosen ein Spiegelbild der Tugenden seines Besitzers darstellen. Die Ehrlichkeit, mit der er seine Weine ausstattet und produzieren lässt, ist schlicht beeindruckend. Die Feinheit, die Finessen und Anmut seiner Weine vom Schlage eines Péby oder Rocheyron sind wahrlich weltklasse. Gäbe es mehr «CEO's» seines Kalibers und gepaart mit seinem Tatendrang, würde unsere Wirtschaft ziemlich sicher mit doppelter Fahrt gedeihen. Zum Glück ist er wohl einzigartig. Wesensbrüder und Zwillinge im Geiste hat er in anderen Visionären wie Dirk van der Niepoort, Stephan Graf von Neipperg oder Donald Hess. Welcome to the club…of great winemakers! [Bericht]

 

Download
Degustation weinfanatic & friends
Vignobles Silvio Denz - It's about passion, quality, visions and the art of wine fragrance.
weinfanatic_DenzWeine_Final.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.5 MB

Highlights der Degustation

 

#3: Château Cap de Faugères, «La Mouleyre», 2012

#2: Château Rocheyron, 2011

#1: Château Péby Faugères, 2011

Château Péby Faugères, 2011

Der Château Péby Faugères ist heute fast schon ein Kultwein und dadurch extrem rar. Doch daran liegt es nicht, dass er innerhalb des Verkostungsteams relativ klar als absoluter Gewinner «aller Klassen» gewählt wurde.

 

Im gleichen Flight mit Château Rocheyron verkostet, fällt einem sofort der frappante Farbunterschied auf. Péby kommt mit undurchsichtigem, leicht trübem «sehrdunkelrot» daher. Schon auf Sicht erkennt man irgendwie, dass sich hier etwas ganz Besonderes im Glas befinden muss. In der Nase fällt zuerst ein feiner aber präziser Rosenduft auf. Dann ganz eindeutig Zedernholz, Flieder, Gewürznelken und ein herrlicher Minzton. Das Ganze ist sanft umgarnt von Vanillearomen. Mancher in der Runde fand ihn zu Beginn etwas egoistisch. Er öffnete sich nicht. Doch dann lud er sich während des Abendessen richtiggehend auf und brachte seine schöne und prächtig-dunkle Merlotseele hervor. Im Gaumen zeigte er schöne Tabaknoten, gepaart mit Kirschenaromen, Pflaumen und reifen Heidelbeeren. Er ist äusserst dicht, hat spürbar geschliffenes und feinsandiges Tannin. Die Crèmigkeit erinnert leicht an Malz und breitet sich wunderbar im Mundraum aus.

 

Eigentlich ist dieser Wein dazu gemacht, in seinem jetzigen jungen Alter sein Prinzendasein zu geniessen um mal im reiferen Alter den Thron zu übernehmen. Doch am heutigen Abend wurde er seiner Bestimmung entrissen und viel zu jung den grossen Erwartungen gegenüber gestellt. Doch auch Alexander und Tutanchamun mussten als Jungspunde ganze Reiche übernehmen. Letztendlich schafften sie es, diese erfolgreich zu führen und zu vergrössern. Genau so scheint der Péby 2011 zu sein.

 

Ein herrlicher, mondäner und wahrer Sonnenkönig!


Château Rocheyron, 2011

Genialer Stoff. Vor allem aber auch Saft, aus dem man wiederum lernt, wie schön, weit, breit, tief und überraschend die Weinwelt sein kann. Spontan und blind hätte man hier einen satten,  rot-dunkel-duftenden Barolo (Nebbiolo) vermutet. Trotz der helleren Farbe hat er unendlich viel von dieser aus der Tiefe stammenden Kraft, die bei jedem Schluck die Lust am nächsten steigert. Dieser Wein grenzt eigentlich an ein Wunder. Es ist der erste Jahrgang. Peter Sisseck und Silvio Denz haben ohne Anhaltspunkte quasi etwas erschaffen, das zugleich ziemlich einzigartig und grossartig ist.

 

Der Grand Vin ist still, edel und ruht irgendwie in sich selbst. Als ob er noch nicht bereit wäre, sein wahres «Ich» zu zeigen. Kein Wunder: Er ist mit etwas mehr als vier Jahren noch deutlich zu jung, um bereits genossen zu werden. Aber ältere Jahrgänge gibt es nicht. Wir verkosten also den «Premiärewein» seit das Weingut ein Plätzchen im Stall der Vignobles fand. Die Farbe ist brilliant und erinnert an satte reife rote Kirschen oder Hagenbutten. Man hat schon dunklere Pinot Noir gesehen, denkt man sich im ersten Moment. In der Nase ist er extrem edel und mineralisch. Frische ist durch die feinen Minzaromen deutlich wahrnehmbar. Aber auch Zedernholz, Pflaumen und dunkle Früchte machen sich breit. Sein Duft wirkt sehr tief und sinnig. Im Gaumen setzt sich die fast schon erotisch vibrierende Spannung fort. Samtig weich und wunderbar ausbalanciert ist er. Aber auch Kirschen und rundes gutes Tannin gesellen sich dazu.

 

Es ist erstaunlich, dass ein solcher Wein überhaupt aus der Region St. Émilion stammen kann. In einer Blindverkostung wäre man nicht überrascht, diese wunderbare «Blume» von einem Wein dem Piemont oder anderen filigraneren Gefilden anzurechnen. Der Abgang ist eine wahre Freude. Jugendlich-florale Noten klingen sehr lange nach und breiten sich wellenartig sowie zärtlich im Rachenraum aus. Ein fast schon erotisches Erlebnis!


Château Cap de Faugères, La Mouleyre, 2012

Vor nicht allzu langer Zeit konnte man lesen, dass Château Cap de Faugères zu royalen Ehren kam. Der Wein wurde sowohl zum 60-Jahre-Thronjubiläum von Queen Elisabeth wie auch zur Hochzeit von Kate und William kredenzt. Wir verneigen das Haupt vor dem Geschmack auf der Insel. Gleichzeitig sind wir auch irgendwie froh, dass der «La Mouleyre» 2012 nicht zum Zuge kam und wir ihn geniessen konnten.

 

Er ist ein spezieller und sündig-schöner Tropfen. Kann ein Bonbon Sünde sein? Niemals! Der «La Mouleyre» von Cap de Faugères hat es echt in sich. Er ist der etwas speziellere grosse Bruder des «Normalweins» und wird aus dem Traubengut sehr alter Reben gemacht. Wahrlich eine Bombe im Glas. In der Nase fällt einem sofort der Graphit- oder Bleistiftton auf. Nennen wir es also mineralisch. Denn Schiefer ist auch dabei. Douroweine kommen einem dabei gleich in den Sinn. Das Vanille ist wunderbar präsent doch gut mit den sonstigen roten und dunklen Früchten vermengt. Ein wenig Lebkuchen und Mon Chéri schlagen einem entgegen. Im Schluck überzeugt er durch den satten Griff, kräftige dunkle Schokolade und warmes sowie rundes Tannin. Seien wir also ehrlich: Dieser Bordeaux kann sich ruhig mit einem amerikanischen Bordeaux-Blend messen ohne alt auszusehen. Die meisten im Verkostungsteam fanden grossen Gefallen an ihm.

 

Es ist schlicht erstaunlich wie viel Wein man für wenig Geld ins Glas bekommt. Der Tropfen ist so modern und schön gemacht, dass man sich nicht vorstellen kann, dass ihn jemand nicht mag. Punkt!



«Niepoort» | Degustation Chevaliers des Vins (Ausgabe Niederweningen)

Degustation Chevaliers des Vins - Niepoort

It’s a kind of magic…

In einem derart önologisch vielfältigen Land wie Portugal fällt es schwer, sich zu fokussieren. Doch gewisse Regionen und Namen stechen heraus. Zum Beispiel der Landstrich entlang des Flusses Douro. Bereits historisch gewann er durch seine Portweine weltweit grosse Bedeutung. Hier wagen sich nun immer mehr Weinproduzenten aus ihren Port Lodges in Vila Nova de Gaia heraus und stellen herrliche Rotweine her. Sie strahlen vor Finesse, Mehrschichtigkeit und Eleganz. In der Gruppe von grossen Namen fällt einer besonders auf: Niepoort. Als «Zauberlehrling» begann Dirk Niepoort im Familienunternehmen und wurde binnen kurzer Zeit ein grossen Meister seines Fachs. Er und seine Weine sind mittlerweile ein Kosmos für sich. Seine Hauptpalette an roten Tropfen sind der Kern der vorliegenden Verkostung. Sie bilden im von der UNESCO zum Welterbe erklärten Douro-Tal einen Monolithen in der Landschaft. Der rote Faden seiner Weine ist die Mineralität, die in all seinen Tropfen zu finden ist. [Bericht]

 

Die Verkostung wurde unterstützt und ermöglicht durch Riegger AG in Birrhard.

Download
Degustationsrunde Chevaliers des Vins | Ausgabe Niederweningen
Verkostungsthema: Niepoort Vinhos - Von Fabelhaft filigran bis kräftig robust
(Portugal, Douro)
18102015_Degustationsrunde_ChevaliersDes
Adobe Acrobat Dokument 1.2 MB

«WifeCeller» | Degustation Chevaliers des Vins (Ausgabe Baden)

Defilee Weine «WifeCeller»
Defilee Weine «WifeCeller»
Download
Degustationsrunde Chevaliers des Vins | Ausgabe Baden
Thema: WifeCeller - Die Weine wurden sorgsam von der Herrin des Hauses ausgesucht. Niemand wusste was getrunken wurde. Zwei Weissweine und sechs Rotweine wurden degustiert, besprochen, benotet, zerredet. Das Resultat überraschte wohl alle...
WifeCeller_Degustationsrunde_CdV.pdf
Adobe Acrobat Dokument 934.5 KB


«Brave New World» | Degustation Chevaliers des Vins (Ausgabe Wetzikon)

Mutige «Neue Welt»
Mutige «Neue Welt»
Download
Degustationsrunde Chevaliers des Vins | Ausgabe Wetzikon
Thema: Brave New World - Only the strongest survive!
BraveNewWorld_Degustationsrunde_CdV.pdf
Adobe Acrobat Dokument 907.2 KB


© Copyright weinfanatic 2019