Bewertungen 2018

Weinfreunde und weinfanatic geniessen immer wieder einen guten Tropfen. Hier finden sich die dazugehörigen Notizen.



«DER HILLARY-STEP. EIN SHERPAWEIN»

Cicero, Quinten, 2011

 

Weinverkostung: 12. Januar 2018

Herkunft: Schweiz, St. Gallen

 

N: Erdbeer, Himbeer, kaltes Cheminée

G: Zartes Tannin, schöne Säure, Kirschbonbon

WF: 9.0|10.0 [grossartiger Wein]

Kommentar: Dieser Wein ist quasi das «Leichenmahl» eines Weingutes, dass vor nun zwei Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Beim Ausverkauf des Kellers liess ich mich nicht zwei Mal bitten und habe mir ein paar Dutzend Flaschen und Spezialformate ins eigene Weinreduit gelegt. Das war – selbst im Nachhinein gesehen – ein sehr guter Entscheid.

 

Der vorliegende Wein des Jahrgangs 2011 war damals aufgrund fehlender Verfügbarkeit, nicht bestellbar. Im Oktober 2017 – bei einer «Cicero-

Remider-Verkostung» – bekam ich die Möglichkeit ein paar der Quinten-Jahrgänge zu verkosten. Eine Offenbarung. Doch vor allem der 2011 haute mich richtiggehend um.

 

Die Lage Quinten am Walensee im Kanton St. Gallen [Schweiz] ist in etwa der Hillery-Step des Weinbaus. Man erreicht den Flecken steinigen Landes lediglich zu Fuss, Bike, Boot, Esel oder allenfalls noch mit dem Helikopter. Alles andere ist nicht möglich. Im Rücken hat man den über 2’300 Meter hohen Churfistenkamm. Vorne den wunderschönen blauen See. Mit etwas Glück und Rückenwind kann man direkt vom Rebberg aus den Kopfsprung in den See wagen. Tragen darum wohl alle Erntehelfer einen Fallschirm?

 

Der Quinten 2011 ist ein stiller Wein. Womöglich kommt dies von seiner sonnigen und previligierten Lage. Mit der dreifachen Wärme der Sonne [im Rücken – Fels, klassisch von oben und im Gesicht – See]. Er hat es nicht nötig von Holz geschwängert zu sein. Auch sonstigen Helferlein sind nicht nötig. In der Nase schwingt viel Reife, Süsse und rote – nicht rohe – Kraft mit. Erdbeeren, Himbeeren und und ein Hauch von kaltem Cheminée sind wahrnehmbar. Das süssliche Element gibt ihm – für mich – eine Art Vosne-Romanée-Frucht mit auf dem Weg.

 

Am Gaumen erschliessen sich einem zuerst feine Rauchnuancen. Es folgen zarte und reife Tannine. Anschliessend macht eine feine und lebendige Säure ihre Auffahrt. Der Abgang ist ein hübsches und feines Kirschbonbon.

 

Wuuuah, zum niederknien...



«MAXIMAL, DER MORIC»

Moric, Blaufränkisch, 2011

 

Weinverkostung: 5. Januar 2018

Herkunft: Österreich, Burgenland

 

N: Zigarre, Fleisch, Leder, Sauerkirschen

G: Stall, kräftiges Tannin, viel Säure

WF: 8.0 [gut mit Potenzial]

 

Bezugsquelle: Martel CH | K&U DE

Preis: CHF 19.50 | € 14.50 

Kommentar: Roland Velich ist ein cooler Typ. Wir lernten ihn als humorvollen «Eisenbeisser» vom Eisenberg kennen. Er hat eine klare Vision und Linie, die er verfolgt. Er kümmert sich gerade mal «nullkommanix» um Trends oder Punkte. Es sei denn, es sind fundierte Meinungen und kommen von seinen Kunden. Er weiss sogar bescheid, über wen seine Weine vertrieben und wo genau sie verkauft werden. Denn seine Tropfen seien Premiumprodukte, die über entsprechende Kanäle in die Keller der Geniesser der

Welt gelangen und nicht irgendwo als Restposten verramscht werden sollen. Roland hat Recht!

 

Als wir vor drei Jahren bei ihm in der guten Stube sassen und er, mit der Stimme eines sizilianischen Paten und leicht verkatert von einer «Vorabendverkostung» im grossen Sessel sitzend, über seine Weine, die Weinwelt und das Burgenland dozierte, da wurde uns schnell klar: Der Mann ist kein Schönwetterprophet. Er erzählt von Tiefe, feinen Säuren, burgundischer Ruhe im Wein und seiner Liebe zu einheimischen Sorten. Zu alldem hat er eine klare Meinung und einen haargenauen Plan wie er seine Ziele erreichen wird. Dies alles geschieht mit einem Maximum an Präzision. 

 

Sein einfacher Blaufränkisch aus dem Jahr 2011 ist eigentlich zu jung um bereits geköpft zu werden. Obwohl die Rebsorte – vor allem als Jungwein – nicht zu meinen favoriserten Trauben gehört, entdeckte ich im Burgenland, dass sie nach mindestens 10 Jahren Reife tatsächlich ihre geradezu feindliche Statur ablegt und zu einem richtigen Charmeur mutiert. Der «Moric Blaufränkisch» ist aber noch nicht so weit.

 

In der Nase in erster Linie Zigarre und viel Wildleder. Was nach Überalterung klingt, ist – subjektiv gesehen – die eindeutige Typizität dieser Traubensorte in ihrer Jugend. Im Hintergrund sind Sauerkirschen zu erahnen. Am Gaumen entfalten sich zuerst viele stallige Aromen, rotes Fleisch und Sattel. Der Tropfen wirkt äusserst karg, versprüht deutlich Säure und untermalt das ganz mit kräftigen und ungestümen Tanninen.

 

Der Moric Blaufränkisch 2011 ist noch mindestens 5 Jahre zu jung um genossen zu werden. Danach bin ich aber ziemlich sicher, dass sich daraus ein toller Wein entfalten wird.



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