Bewertungen 2015

Weinfreunde und weinfanatic geniessen immer wieder einen guten Tropfen. Hier finden sich die dazugehörigen Notizen.



Neujahreswunsch 2016: «Ungarn: Nieder mit den Zäunen und her mit Eurem Wein!»

Kopar, Gere, 2006

 

Weinbewertung: 31. Dezember 2015

Herkunft: Ungarn, Villány

 

N: Maggiwürze, Leder, Pflaumenkompott

G: Animalisch, saftig, weich und rund, balsamisch

B: 9.0 (sehr gut bis ausgezeichnet)

 

Bezugsquelle: Mövenpick

Preis: CHF ~45.-

Kopar, Gere, 2006
Kopar, Gere, 2006

Kommentar: Die schönsten Essen bei Freunden sind die, bei denen man eingeladen wird und die Weine dann im Vorfeld und vor dem eigentlichen Gaumenschmaus verdeckt verkostet werden. Ein kleines Spiel quasi. Schärft den Geist, die Nase und den Gaumen. Herrlich.

 

Die erste «Begegnung» mit dem heutigen Wein fand vor rund vier Jahren statt. Zuerst gab es damals einen Weisswein der mit seiner Kraft und dem Schmelz einem fast den Atem raubte. Ein eleganter Kalifornier? Ein schön geratener Sizilianer? Ein protzig-kräftiger Chardonnay? Von wegen! Ein Walliser im Gewand eines Weltenbummlers: Domaine de Ravoire blanc!!! Eine Wuchtbrumme – jedoch mit Stil! Doch dazu bei nächster Gelegenheit dann mal mehr. Schliesslich kamen wir dann zum Rotwein. Die Würze, der Leder- Kaffee-Einschlag und die satte Pflaume liessen eine Vorahnung aufsteigen. Ziemlich reif. Vermutlich irgendwas mit hohem Cabernet Sauvignon Anteil und Geburtsjahr wohl irgendwo am «Beginn des Milleniums» kamen einem in den Sinn. Die Nase war irgendwie auch sehr typisch: Etwas aus dem Medoc musste es sein.

Der Gaumen gab dann die Bestätigung: Fein anmutende animalische Note, saftig, voluminös und weich sowie schön druckvoll, rund und mit balsamischem Nachklang im Abgang. Wenn man sich so sicher ist, lässt man sich leicht verführen und sagt dann gerade heraus was man denkt [Bordeaux, Medoc, Jahrgang…200x something]. Die Überraschung kam prompt: Ein ungarischer Wein! Hää? «Würde man jetzt nicht unbedingt darauf kommen», wäre eine sehr dezente Untertreibung. Nie im Leben wäre man [ich!] darauf gekommen.

 

So verstrichen die Jahre. Der Wein und die wahnsinnig schöne Erfahrung von damals gerieten langsam aber sicher in Vergessenheit. Bis jetzt! So stand er also wieder da. Gleicher Jahrgang wie damals. Vier Jahre mehr Reifung – für Wein und Verkoster. Gute Voraussetzung also um die damaligen Eindrücke nochmals einer strengeren Prüfung zu unterziehen. Zudem hatten wir mit «Cassiano» von Manincor einen zwar etwas stilleren aber sehr schönen Konkurrenztropfen. Dann der Moment der Wahrheit: Koper von Gere ist einfach der Hammer! Er bestätigt alle Eindrücke der Vergangenheit und bekräftigt ganz deutlich nochmals seine Qualitäten. Es gibt nichts an ihm auszusetzen. Fast nichts…

 

An einer Weinmesse haben wir letztens schnurstracks der Ungarn-Stand angesteuert. Praktisch alle Weine wurden verkostet. Exzellentes Level. Vieles war extrem schön. Doch die Tropfen im gleichen Segment wie der Kopar haben einen sehr stolzen Preis. Allerdings ist dies nur ein wenig mehr als die eigentliche Basis. Es geht relativ rasch noch weit höher auf der Preispyramide. Ein kurzer gedanklicher Ausflug in die Geographie von Ungarn ergab – zumindest aus dem subjetiven Blickwinkel – keinen klaren Grund für diese hohen Preise. Keine Serpentinen oder Terrassen um sie zu bewirtschaften. Auch werden die Weingärten nicht von der Donau alle zwei Jahre irgendwie totalüberschwemmt. Zuschlag für weitere Risiken oder Aufwände kamen einem sonst auch nicht in den Sinn. Warum also der hohe Preis? Es wurde uns unterrichtet, dass die ungarischen Winzer es nicht nötig hätten ihre Weine zu günstigeren Preisen anzubieten. Die Tropfen werden praktisch nicht exportiert da die Inländer alles selber trinken würden. Okeeee…

 

Es wäre schön zu wissen und zu hoffen, dass die Ungarn die Zäune entlang der Grenze nur aufbauen um ihre wunderbaren Weine noch mehr zu schützen. Aber wie halt so oft, stirb die Hoffnung zuletzt…

 

PS: Die Verkostungsnotizen zu Manincor’s Cassiano folgen.



«Marcellino – Pane e Vino»

Chianti Classico, San Marcellino, Rocca di Montegrossi, 2007

 

Weinbewertung: 28. Dezember 2015

Herkunft: Italien, Toskana

 

N: Düster, Grafit, schwarze Johannisbeere

G: Mächtiges Tannin, präsente Säure, Heidelbeeren, noch mehr Bleistift

B: 9.0 (sehr gut bis ausgezeichnet)

 

Bezugsquelle: Siehe Liste Homepage Weingut

Preis: CHF ~35.-

San Marcellino, Rocca di Montegrossi, 2007
San Marcellino, Rocca di Montegrossi, 2007

Kommentar: Rocca di Montegrossi liegt nicht am Weg. Viele Touristen und Weinliebhaber werden vom nahen Castello di Brolio [Familie Ricasoli] absorbiert. Das Weingut «Rocca di Montegrossi» [ebenfalls zur Ricasoli-Familie dazugehörend] ist nicht besonders gross und man bekommt die Weine ausserhalb Italiens nicht so richtig zu «fassen». Womöglich liegt dies aber einfach daran, dass die Qualität der Weine so überzeugend ist, dass sie es nicht mal aus dem Bermuda Dreieck «Castellina-Gaiole-Radda» in Chianti hinausschaffen. Geschweige denn nach Siena, Florenz oder Mailand. In Radda wurde uns vor ein paar Jahren zu Antipasti ein San Marcellino als Geheimtipp auf den Tisch gestellt. Das Staunen war nicht schlecht. Das soll ein Chianti sein!? Zugegeben, alle am Tisch waren generell dem Sangiovese und Chianti Classico sowieso zugetan. Aber, das was mit dem San Marcellino nun uns den Gaumen umspülte, war ungleich anders.

Sangiovese und vor allem der Chianti Classico vereinen Liebreiz, Finesse, schöne Frucht und Gradlinigkeit sowie Ehrlichkeit. Normalerweise pumpen sie nicht und wollen den Geniesser eher sanft mit dem schönen Frucht-Säure-Gerbstoff-Spiel betören. Die Weine von Rocca di Montegrossi sind differenzierter. Der «normale» Classico kommt dem klassischen Verständnis von Chianti noch am nächsten. Der Geremia [ein Supertoskaner – sorry für das Schimpfwort!] ist ein unglaubliches Gedicht, der zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle zu Ehren     kommen soll. Der heute wiedermal verkostete San Marcellino raubt einem fast [wie jedes Mal] den Atem. Sehr düstere Nase. Tiefe und prägnante Grafitnoten. Dunkelste Frucht mit vornehmlich Johannisbeere aber auch etwas eingetrockneten Zwetschgen und Pflaumen. Im Gaumen dann mächtig in allen Belangen: Das Tannin ist klar da und kräftig, die Säure stellt sich parallel daneben und unterstützt, der Alkohol ist mit 14.5 Volumen eine gleichwertige pralle Kraft in diesem Triumvirat. Aber weil alle drei Beine dieses Hockers gleich lang sind, wirkt der Wein äusserst geschmeidig, knackig, spannungsgeladen und megamässig attraktiv. Er schlägt ewig lang nach. Neben Bleistift, kommen noch Kaffee, Tabak und etwas Teer zum Vorschein. Der Tropfen ist ganz und gar nicht ein typischer Chianti Classico. Seine Sangiovese-Trauben [95%] sind zwar in der Classico-Zone nach biologischer Gradmessung gehegt und gepflegt worden. Damit hören aber die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Er ist auch nicht in irgend einer Abart eines Riservas oder sowas Ähnliches. Er ist sehr modern vinifiziert, 24 Monate in Barrique ausgebaut und steht komplett für sich alleine. Der Wein kann gut und gern noch 10 Jahre halten ohne, dass er an Kraft und Komplexität verlieren wird.

 

Leider gibt es immer noch zahlreiche Weinliebhaber, welche mit Chianti einfach mindere Qualität, rotfruchtige-flüchtige Tropfen und Kopfschmerzen verbinden. Vielleicht scherzt noch der eine oder andere über die alten geflochtenen Flaschen. Die sollen all ihren Mut zusammennehmen und sich wieder einen guten Tropfen gönnen. Einen vom Kaliber eines Rocca di Montegrossi, Castello di Cacchiano oder Castello di Fonterutoli.

 

Am besten zu einem guten Stück Brot, etwas Käse, feinen Schinken und gutem Olivenöl – «Pane e Vino» quasi. Sie werden staunen und ihr blaues Wunder erleben!



«WEIHNACHTEN - IT'S LOVE...ACTUALLY»

Enosi, Baron di Pauli, 2012

 

N: Zitronenwasser, Ananas, Grapefruit, zurückhaltend

G: Spitze Säure, Limette, leichte Aprikose, frisch

 

B: 8.0 (gut)

Herkunft: Italien, Südtirol

 

Kommentar: Herrlich frischer Start in den Abend. Sehr zurückhaltend und subtil in der Nase. Man muss den Riecher richtiggehend reindrücken um mehr Naseneindrücke zu erhalten. Sehr feinmaschige Aromen von Zitronenwasser, Anflug von Ananas und Grapefruit. Überraschend frisch und voller Finesse trotz der spitzen und spritzigen Säure. Das letzte Mal als der Enosi zur Ehre kam [2009], war dies direkt in der Cantina selbst. Die Erinnerung kann auch trügen, aber er war irgendwie fülliger und körperreicher damals. Haben die was an der Zusammensetzung geändert!? Spielt eigentlich keine Rolle: Die Ausgabe 2012 war trotzdem sehr schön, gelungen und passte wunderbar zum Apéro.

La Dame de Malescot, 1997

 

N: Maggiwürze, Leder, Erde

G: Stoffige Noten, Waldboden, weiche/feines Tannin, noch merklich Säure im Mark

 

B: 8,5 (sehr gut)

Herkunft: Frankreich, Bordeaux

 

Kommentar: Für diese Aromen liebt man Bordeaux. Diese Ausprägung in der Aromatik macht die Weine aus der Region auch zu den weltweit (mit)schönsten überhaupt. Malescot und der dazugehörige Zweitwein La Dame de Malescot war dem Verkoster bisher gänzlich unbekannt. Schande und schade eigentlich… Margaux. OK. Die Weine aus der Appelation sind in ihrer Jugend trotz ihrer viel gelobten Geschmeidigkeit subjektiv gesehen eher kräftig, dicht, vielleicht ein wenig fahrig und unnahbar. Nun, im reifen Alter ist zumindest «La Dame» aber alles andere als abgeneigt den Geniesser ganz nah an sich zu lassen. Wunderbar weich, rund, bekömmlich und mit richtiggehend lüsterner Mitte, schmiegt sie sich an den Gaumen. Im Abgang zeigt sie noch ein klein wenig Säure. Aber alles zärtlich. Sie ist mit der Reife also nicht etwa faltig und bissig sondern richtig geglättet und zutraulich geworden.

 

Auch wenn man Bordeaux liebt, dies genau weiss und die Gründe dafür ziemlich gut kennt, ist ein Schluck eines so schön gereiften Tropfens immer wieder ein wahrer «Eye-Opener». «Genau deshalb liebe ich das Zeugs so seeeehr!» möchte man da am liebsten dem Weihnachtsbaum freudig entgegenschmettern...bis die Kerzen ausgehen.

 

Oh Tannenbaum!

Ilitraia, Brancaia, 2004

 

N: Bleistiftmine, Heidelbeeren, Minze

G: Schönes Kaffeearoma, leichtes Cassis, Teer

 

B: 9.0 (sehr gut bis ausgezeichnet)

Herkunft: Italien, Süd-Toskana

 

Kommentar: Auch irgendwie ein «Bordeaux». Oder vielleicht ein «Morteaux»? Doch: Die Weine der Maremma – wie zum Beispiel der Ilatraia von Brancaia wollen  und sollen Bordeaux eigentlich nicht die Daseinsberechtigung nehmen oder diese gar «töten». Darum sollte man – trotz den Parallelen bei der Traubenwahl – die Weine einander auch nicht gegenüberstellen. Es braucht kein Duell.

 

Der Ilatraia aus dem Süden der Toskana hat Saft, Kraft und noch mehr Charakter [ganz wichtig in der Maremma!!] um komplett und wahrhaftig eigenständig dazustehen. Die Trauben wachsen nahe der Küste und werden dann im wunderschönen Weingut in Castellina [«Downtown Chianti» quasi] zu dieser herrlichen Komposition zusammengeführt.  Die Aromen und Noten sind trotz der elf Jahre sehr präsent und frisch.

 

Brancaia hat mit dem Blu seinen italienischen blaublütig-adligen «Barone» im Stall. Der Ilatraia seinerseits ist die rassige französische Mätresse die sich nichts sagen lässt und in der Jugend [blind verkostet] auch schon mal einen Amerikaner in die Flucht schlagen kann. Aber nicht grobschlächtig, sondern mit ihrem famosen Augenaufschlag, Grazie und einer Art Widerspenstigkeit, dass man ihr immer irgendwie erlegen ist.

 

Enemy mine!


Preise: Wen interessieren schon die Preise an Weihnachten!? Eben...


«Zu Weihnachten vielleicht ein Angelo?»

Ca’Marcanda, Magari, 2010

 

Weinbewertung: 22. Dezember 2015

Herkunft: Italien, Toskana

 

N: Peperoni, Kirschen, Steine, Schokolade, erdig

G: Stoffig, griffiges/gutes Tannin, präzis, Eukalyptus

B: 8.5 (sehr gut)

 

Bezugsquelle: Bindella, Riegger

Preis: CHF ~50.-

Magari, Ca'Marcanda (Gaja), 2010
Magari, Ca'Marcanda (Gaja), 2010

Kommentar: Gaja. Vielleicht ist er einer der perfektesten Weinproduzenten der Welt. «Vielleicht» ist auch die erste Bedeutung für das Wort «Magari» die man als Übersetzung findet. Angelo Gaja ist ein Leitstern in der Weinmacherkunst. Er ist einerseits ein Mythos und andererseits ist er zugleich greifbar. Mystisch im Sinne dessen, dass seine Weine immer [immer!] eine Besonderheit in sich haben. Sie sind ihrer Herkunft verpflichtet, immer präzis, irgendwie filigran und trotzdem kraftvoll und nachhaltig. Irgendwie ein Widerspruch in sich. Die erwähnte Kraft definiert sich bei seinen Kunstwerken in drei verschiedenen Teilen: Druck, Volumen und Länge. Obwohl man die Power im Glas förmlich riechen kann und sie einem beim Schlucken den Gaumen richtiggehend auflädt, denkt man am Schluss – im Abgang – doch immer nur an die tänzerische Filigranität und Spannung die seine Weine erzeugen.

Angelos Steckenpferd ist sein Heimatdorf Barbaresco und seine einmaligen Lagenweine. Unaufdringlich und zurückhaltend wirkt er uns sein Besitz im Dorf selbst. Wie seine edlen und aristokratischen Tropfen. In der Hauptgasse weist ein einfaches quadratisches und kupferfarbiges Schild auf das Weingut hin. Kein Brimborium oder Geklimper. Nichts.

Noch schlichter ist eigentlich nur noch DRC – aber das ist eine andere Geschichte. Trotzdem «spürt» man Gaja und sein Schaffen in diesem [einen!] Epizentrum des schönen Weins im Piemont. Betritt man sein Keller in Barbaresco durchläuft man praktisch das halbe Dort unterirdisch. Er und seine Familie halten es nicht nur oberirdisch am Leben sondern auch tief drinnen im Erdreich.

 

Das Weingut Ca’Marcanda wurde nach langer und anhaltender Skepsis gegenüber anderen Regionen [als dem Piemont] in den 1990er Jahren von der Familie erworben und in kürzester Zeit richtiggehend auf Vordermann gebracht. Wie das Weingut in Barbaresco ist Ca‘Marcanda für das ungeübte Auge praktisch unsichtbar. Es ist fast komplett und raffiniert im Boden verbaut. Irgendwie sinnbildlich für seine Weine: Anfänglich sind sie subtil und unauffällig. Der zweite «Blick» geht dann sehr tief und doch kräftig bis ins Mark. Der «Magari» ist quasi der «Mittelwein» von Ca’Marcanda. Mit Merlot, Cabarnet Sauvignon und Cabernet Franc ist er ein sogenannten Bordeaux-Blend. Die Eigenarten der Sorten sind sehr gut in der Nase nachvollziehbar. Peperoni liefert der Sauvignon. Schokolade kommt vom Merlot. Der Franc steuert das Grafit und das Steinaroma bei. Im Gaumen ist er dann äussert knackig und griffig. Das Tannin ist spürbar aber kompakt und schön. Das Mundgefühl ist stoffig und die Aromen reichen von Eukalyptus, Zigarre, Bleistift zu Erdnoten. Im Abgang ist er dann wunderbar lang und appetitlich. Vielleicht [Magari!] wollte Gaja es einfach allen zeigen! In der Toskana lässt sich ein wunderbarer «Bordeaux» produzieren…

 

Der Magari wie auch die anderen Weine von Ca’Marcanda sind ein ungemein wohltuender Kontrapunkt zu vielen anderen Produzenten und Tropfen der Gegend. Oft trifft man auf extreme Dichte und Tintigkeit. Viele Preziosen sind nur auf Potenz und Kraft getrimmt. Sie sind nichtssagend, undefiniert und werden nach ein paar Schlucken langweilig. Bald sind sie mal belanglos und ohne bleibenden Eindruck. Ca’Marcanda und sein «Magari» tragen [zusammen mit ein paar anderen wohlklingenden Namen natürlich…z. B. Grattamacco, Montepeloso, Tua Rita, Sassicaia, Le Pupille…] dazu bei, dass die Region vielleicht mal zu einer gewissen Eigenständigkeit kommt. Derzeit fehlt ihr das klare Profil.

 

Möglicherweise will Angelo Gaja der zweiten Bedeutung des Wortes «Magari» mehr Gewicht geben: «Und ob!». Er wollte vielleicht alle Zweifler Lügen strafen und allen zeigen, dass er einen eigenständigen, engelsweichen und schönen modernen Wein hinzaubern kann.

 

Das hat er geschafft…und wie!



«Der Flaschengeist»

Andrea Lauber Pinot Noir Barrique, Plandaditsch, 2011

 

Weinbewertung: 19. Dezember 2015

Herkunft: Schweiz, Graubünden

 

N: Kühl, feine Rahmnote, präzise rote und süsse Frucht

G: Primär Erdbeere, etwas Fleisch, Zigarre, Erdbeerrahm im langen Gaumen

B: 8.5 (sehr gut)

 

Bezugsquelle: direkt ab Weingut

Preis: CHF ~30.-

Links: Lauber Pinot Noir Barrique, Plandaditsch
Links: Lauber Pinot Noir Barrique, Plandaditsch

Kommentar: Selbst für Liebhaber der feinen und filigranen Weine aus der Bündner Herrschaft fallen manchmal Weingüter über lange Zeit hinweg irgendwie zwischen «Stuhl und Bank». Die berühmten Namen wie Eichholz, Donatsch, Herrmann, Fromm, Gantenbein, Cicero oder Davaz kennt man allemal. Nach und nach erschliessen sich einem dann wunderbare Tropfen von Winzern wie Thomas Studach oder Jan Luzi. Dann gibt es diese raren Momente in denen vermeintlich «Fremde» einem über den Weg laufen und fast zu Tode erschrecken. Wie ist das möglich, dass man diese bisher übersehen hat!?

Dies ist genau der Fall beim kleinen Familiengut «Plandaditsch» von Andrea und Anita Lauber. Das kleine önologische Juwel ist im beschaulichen und wunderschönen Winzerdörfchen Malans einen Steinwurf weit vom romantischen Dorfkirchlein gelegen. Nachdem das Weinmagazin Vinum dem Weingut im Frühling 2014  [bei einer grossen Verkostung] für seinen Pinot Noir Barrique 2007 den Spitzenplatz verlieh, lag der Besuch beim Winzer nahe. Die Degustation war herrlich unkompliziert und trotz des zu erwarteten Besucheransturms kurz nach der Verleihung sehr familiär und zeitlich fast unbegrenzt. Top! Einer der damals erstandenen Weine war eben der besagte Pinot Noir Barrique. Jahrgang 2011.

 

Nach 18 Monaten Geduld [wahre Liebe wartet? ;-)…] war es nun endlich Zeit sich richtig näher zu kommen. Mit der langgezogenen, schönen und filigranen Flasche assoziiert man eher einen Riesling. Nix da. Nach dem Öffnen offenbart der Lauber Pinot Noir wunderbarste rote Früchte. Ein wenig rahmige Noten die wohl auf das eher leichte Toasting des Barriques hinweisen. Der Tropfen weist in der Nase eine kühlere und stille Machart auf. Er ist burgundisch angehaucht. Feiner Rosenduft paart sich mit subtilem Vanille beim zweiten Nachhaken in der Nase. Im Gaumen dann hat man plötzlich eine weitere Verbindung zur Flaschenform: Langgezogen, präziser Körper, knackig und mit schöner Säure überzeugend. Das Tannin seidig und sehr dezent. Im Nachklang trocknet er leicht nach. Aber dies nur, weil er sich nach einem feinen Stück Fleisch sehnt. Wie die Glocke des Dorfkirchleins, schlägt der Tropfen im langen Gaumen immer wieder nach. Pamm. Pamm. Pamm. Auch wenn man denkt, dass es nun durch ist. Kommts nochmal. Pamm. Pamm. Pamm. Wie wenn man grad nicht weiss wieviel Uhr es sein könnte. Herrlich.

 

Der Wein ist wiedermal eine wunderbarer Beweis, dass man bekannte Pfade ab und zu verlassen sollte. Die Neuentdeckungen sind allemal lohnenswert und öffnen nicht nur den önologischen Geist.

 

PS: Der Wein rechts hätte ursprünglich die Begleitung des Abends sein sollen. Eine unglaubliche Erdbeerbombe. Leider mit Korkton. To be continued...

 



«Potenz im Quadrat»

Louis Latour, Grand Ardèche, Chardonnay, 2011

 

Weinbewertung: 15. Dezember 2015

Herkunft: Frankreich, Ardéche

 

N: Zitrusfrüchte, leicht rauchig, Mango, Mandeln

G: Karamelle, Butter, Feuerstein

B: 8.5 (sehr gut)

 

Bezugsquelle: Wyhus Belp

Preis: CHF 14.20

Louis Latour, Grand Ardèche, Chardonnay, 2011
Louis Latour, Grand Ardèche, Chardonnay, 2011

Kommentar: Ein sehr schöner Wert. Der Wein beeindruckt durch seine kompakte Art und wunderbare Balance. Das Weinhaus Louis Latour aus dem Burgund hat neben seinen Heimgestaden auch noch schöne Tropfen aus weiteren Gegenden Frankreichs. Neben Chablis [siehe Verkostung vom 10. Oktober 2015 weiter unten] auch dieses wunderbar weiche Exemplar aus der südfranzösischen Ardèche-Region.

 

Bereits der «kleine» im Stahl ausgebaute Bruder «Ardèche» ist knapp für einen zweistelligen Betrag zu ergattern. Beim «Grand Ardèche» hat man für ein wenig mehr «Ausgabe» sehr viel extra Gefühl im Glas. Natürlich ist der Tropfen nicht ein durch Mineralität überzeugender Burgunder. Doch, warum immer kompliziert und komplex geniessen, wenn es auch einfach und simpel gehen kann?! Genau so verständlich ist diese wahre Bombe im Glas. Im leicht unterkühlten Zustand serviert, vermag der Wein im Sommer jedem Gast einer Party einen verblüften Seufzer entlocken. Das Holz ist durch die raffinierte Rauchigkeit deutlich spürbar – aber hervorragend eingebunden. Feine Zitrusfrüchte und etwas später Mango, Mandeln und Buttergebäck bilden in der Nase einen geschlossenen Aromen-Wald. Im Gaumen ziemlich typisch für einen Chardonnay: Deutliches Karamell, nochmals Gebäck und Feuerstein.

 

Der Wein eignet sich hervorragend um alleine für sich oder auch in Verbindung mit einem Apéro-Riche genossen zu werden. Das alles zu sagenhaften CHF 14.20 ! Nicht das dies viel sagt und generell zählen soll. Aber immerhin haben wir hier eine Potenzierung des Genusses. Etwas Besseres zu dem Preis findet man selten. Hast Du den im Haus...lieben Dich ALLE Gäste!



«Haide oder Heiliger» | Umathum oder Preisinger | Das pannonische Duell

 

Weinbewertung: 11. Dezember 2015

Herkunft: Österreich, Burgenland

 

Benotung: 8.5 (sehr gut – beide Weine)

 

Bezugsquelle Umathum: Flaschenpost [CHF ~30.-]

Bezugsquelle Preisinger: Brancaia [CHF 23.-]

Preisinger, Heideboden, 2012 | Umathum, Haideboden, 2012
Preisinger, Heideboden, 2012 | Umathum, Haideboden, 2012

Kommentar: Haide- oder Heideboden im Burgenland. Die am Ostufer des Neusiedler Sees gelegene Grosslage, ist ein wahres Weindorado. Dank der vielschichtigen Böden, dem panonnischen Klima und der Experimentierfreudigkeit seiner Winzer entstehen am Ende der «österreichischen Welt» die unterschiedlichsten Weine. Vom einfachen Tisch- bis hervorragenden Lage- und Lagerwein ist alles dabei. Der Hauptakteur der Gegend ist – ein wenig «Everybody's Darling» – der Zweigelt. Die am häufigsten angebaute rote Rebsorte Österreichs. Ihre allgemein unaufdringliche Art, die samtige und runde Frucht sowie das weiche Tannin vermag sie hier noch ein wenig mehr in ungeahnte Höhen zu katapultieren. Zudem lässt sich der Zweigelt mit diesen Attributen und seinem «Schmäh» sehr leicht mit anderen Traubensorten verkuppeln.


Dies ist auch der Fall in den zwei von mir verkosteten Weinen. Wenn auch die Mehrheit in beiden dann doch der Zweigelt bestreitet. Josef Umathum's «Haideboden» und Claus Preisinger's «Heideboden» aus dem hervorragenden Jahr 2012. Beim Umathum finden sich noch etwas Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon und beim Preisinger Blaufränkisch und Merlot drin. Umathum ist ein alter Hase im Geschäft und ein «Kardinal der Biodynamielehre». Mit seinen Lagenweinen geniesst er schon länger einen – man muss es sagen – weltweit guten Ruf. Preisinger, um einiges jünger, beweist mit seinen Weinen «Paradigma» und «Bühl», dass Jugend kein Handicap sein muss. Im Gegenteil! Nun zu den Weinen…

Die Farbe der beiden Tropfen könnte nicht unterschiedlicher sein. Umathum zeigt ein dunkles Rubinrot mit schwarzem Kern. Der Preisinger hingegen ein undurchsichtiges Purpurrot mit violettem Schimmer. Bei Umathum‘s Haideboden, just nach dem Ausschenken, entströmt ein Anflug von Pferdestall. Kenner [und Zirkusbesucher in der ersten Reihe...] kennen diese Noten. Direkt im Anschluss daran sieht man sich einer Armee von Gewürzen, Kräutern, Beeren, pfeffrigen und mineralischen Noten gegenüber. Überraschend frisch das Ganze.


Preisinger offenbart sich, im Gegensatz zum Umathum - der ein wenig Zeit und Luft vor dem Konsum bekommen sollte - schon von Anfang an als Schmeichler. Sofort schlägt er eine modernere Richtung ein. Rund und weich, mit konzentrierter Frucht und wohldosierter Mineralität zeigt er seine Pracht. Ein betörenden Veilchenduft kokettiert mit der Nase.


Schon im Glas sieht und erahnt man förmlich die Saftigkeit des Haideboden von Umathum. Im Mund wird sie dann auf eindrückliche Art und Weise klar bestätigt. Saft…Saft…Saft…welch wunderbares Frucht-Säure-Spiel. Der Gaumen wird dadurch so erregt, dass der weitere Schluck nicht lange aufgeschoben werden kann. Spiderman gleich klebt er richtiggehend am Gaumen. Dabei versprüht er seine üppige Kirschfrucht. Nachgelagert dann Kräuter, Malz, ein wenig Cassis und wunderbar weiches Tannin. Damit poliert er den Gaumen und breitet sich anschliessend zu einem langen Finale aus. Wahrlich beeindruckend.


In der anderen Ecke des Rings – beim Preisinger – schaut es etwas anders aus. Ein radikaler Süssausleger oder so. Bonbonartige Frucht, Holunder-Konfit und dunkle Kirschen tanzen Hand in Hand einem auf der Nase rum. Das Ganze begleitet von einer dezenten, pfeffrigen Mineralität. Die Frucht wirkt hier etwas kühler und in der Kombination mit dem umwerfenden Veilchenduft sehr trinkanimierend. Im Schluck dann ist er rund, weich, mundfüllend, mit weichen und zartbitteren Tanninen. Auch der Preisinger performt also auf seine Weise erstklassig. Seine Ausleger klingen sehr lange nach.


Beide Weine zeigen eindrücklich, dass man im wilden Osten eine heidengute und hohe Trinkqualität hinzaubern kann. Eine Entscheidung für den einen oder anderen zu treffen, ist eigentlich nicht möglich und käme ungerechterweise einer Bevorzugung gleich. Sie sind beide für sich genommen grossartig. Am besten einfach wann immer möglich trinken, geniessen und den nötigen Respekt zollen.


Die Weine wurden im Rahmen eines Familienfestes, zum Kalbsfilet an einer raffinierten Pilz-Rahmsauce genossen. Beide zeichneten sich als wunderbare Begleiter aus und rundeten das Essen sehr schön ab.


Naturally made in Austria.



«Grasso der Grosse – Ein Opfer»

Elio Grasso, Ginestra Casa Maté, Barolo, 2006

 

Weinbewertung: 7. Dezember 2015

Herkunft: Italien, Piemont

 

N: Gewohnt präzis, frisch, Minze, blumig

G: Seidiges Tannin, leichtes Erdbeeraroma, Kirschen, sehr langer Abgang

B: 9.0 (sehr gut bis ausgezeichnet)

 

Bezugsquelle: Schubi Weine

Preis: CHF ~75.-

Elio Grasso, Barolo, Ginestra Casa Maté, 2006
Elio Grasso, Barolo, Ginestra Casa Maté, 2006

Kommentar: Das Piemont ist voller herrlicher kleiner und grosser Weingüter mit wunderbarer Klasse und Rasse. Neben den berühmten Namen [Weingüter, Lagen, Dörfer…] gibt es aber auch überschaubare und exzellente Familienbetriebe die es sich zu entdecken lohnt. Gerade die Region am Fusse des Alpen-Gebirges [Piemonte] lädt förmlich dazu ein, durch die wunderschöne Hügellandschaft zu streifen und manchmal ganz spontan in eine Nebenstrasse abzubiegen. Die Winzer sind sehr aufgeschlossen und Verkostungen können vielfach spontan und ohne grosse Umschweife stattfinden.

 

Elio Grasso ist ein solches mittelständisches und familiengeführtes Weingut. Tradition und Qualitätsstreben zeichnen es aus. Die Weine sind von wunderbarer Würzigkeit, Floralität und Dichte. Sie weisen auch eindeutig die ausserordentlich Eleganz der Region um Alba herum auf. Der «Ginestra Casa Maté», 2006 kommt in gewohnter präziser Barolo-Manier daher. Die Nase ist frisch und strahlend. Schöne rote Früchte, ein wenig Minze und etwas Zederholz rauben einem fast den Atem. Er wirkt noch richtiggehend jung. Reifenoten findet man weit und breit derzeit keine. Im Gaumen zeigt er dann sein ganzes Potential und seine Grösse. Noch deutlich spürbares, jedoch geschliffenes, angenehm seidiges und ausgesprochen schönes Tannin. Die Aromen sind noch frisch und der Tropfen knackig. Man merkt wie sich Noten von Erdbeeren langsam zurückziehen und weichen feinen Rosen- und Kirscharomen Platz gewähren. Der Abgang ist ein minutenlanges, ausdauerndes und mehrmals nachlegendes Freudenspiel das kein Ende nehmen will.

 

Trotz seiner derzeitigen Klasse war er noch eindeutig zu jung um geopfert zu werden. Er hätte noch ruhig ein paar Jahre ruhen und reifen können. Zu einem herbstlichen Menü wurde der Barolo in einem Flight mit einem Château Lagrange 2002 parallel genossen. Die Freunde beider Weine waren sich in der Zahl ebenbürtig.

 

PS: Der Barbera d’Alba «Vigna Martina» von Elio Grasso ist wohl kein Geheimtip mehr. Er ist und bleibt aber einer der besten Barbera d’Alba die es gibt.



«Der König ist tot. Lang lebe der König!!!»

Von Othegraven, Kanzem Altenberg, 2007


Weinbewertung: 4. Dezember 2015

Herkunft: Deutschland, Saar/Mosel


N: Pneu, Gummi, nasser Stein, süsser Pfirsich

G: Petrol, runde Süsse, Karamell, sehr rund & fein

B: 9.0 (sehr gut bis ausgezeichnet)


Bezugsquelle: Direkt ab Weingut

Preis: € ~15 (exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis)

Von Othegraven, Kanzem Altenberg, Spätlese, 2007
Von Othegraven, Kanzem Altenberg, Spätlese, 2007

Kommentar: Im Frühling 2015 war es dann soweit für: «Mosel? Oh, Mosel… Na, dann viel Glück!». Die Weinreise führte dieses Jahr in die nachbarlichen deutschen Gefilde. Die Mosel. Weissweinland. Grosses Rieslingland. Ein paar Millionen kühner Menschen behaupten sogar die Traube sei «The King» unter der Sonne. Recht haben sie!! Irgendwie. Aber die Anzahl der Könige und sogar Kaiser ist unübersichtlich. Ein stetiges Werden und Vergehen…. Gut so!


An der Mosel findet man den Mythos tatsächlich. Wenn man sich – trotz grosser Rotweinvorlieben – auf den Riesling ganz einlässt. Wir fanden damals Mineralität, Würze, Kraft, Mehrdimensionalität und wahre Göttergetränke in all den Doktoren, Apotheken, Tröpfchen und Treppchen. Eines der ersten Weingüter das uns die Augen öffnete war Othegraven in Kanzem am Altenberg [Saar]. King Swen Klinger präsentierte uns das stolze und nun piekfeine Weingut. Es liegt edel, erhaben und königlich vor dem monumentalen Wall aus hoch aufsteigenden Reben am Altenberg. Nach der Verkostung der trockenen Rieslinge und einigen interessanten neuen Eindrücken zu dieser für uns noch relativ unbekannten Welt, wollten wir etwas versuchen, das bereits ein kleines Bisschen gereift war. Irgendwo aus dem riesigen Keller – quasi links unten in der verstecktesten Ecke gelagert – zauberte Swen ein Fläschchen «Kanzem Altenberg Spätlese 2007» hervor. Ein Überbleibsel aus einer Versteigerung. In der Nase diese typischen Noten von Pneu, Steinboden bei einsetzendem Sommerregen, etwas Gummi und allersüssester reifer Weinbergpfirsich. Und alles war so flüchtig und leicht. Nicht zu fassen. Es wurde ganz still um den Tisch. Der Gaumen dann – nicht ganz jedermanns Sache zwar aber sehr typisch – feinstes Petrol, mundfüllende feine Süsse, Honigmelone und genial weiches Karamell. Einige von uns konnten trotz Platznot nicht anders als sich bereits da ein paar Flaschen zu sichern. Eine dieser in Glas verschlossenen Göttertränen wurde letztens am Schluss eines wunderbaren Essens zum Dessert genossen. Der Nektar bestätigte die damaligen Eindrücke von der Saar nochmals mit voller Wucht und Pracht.


Die pure Begeisterung in den Ohren veranlasste unseren «Swen the Man» schliesslich noch eine weitere Spezialität zu öffnen auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Nur soviel: Auch dieser allersüsseste Tropfen war zum niederknien. Nach Besuchen und Verkostungen auf den Weingütern Dr. Wagner, Othegraven, Molitor, J.J. Prüm, Reinhart Haart, Clemens Busch und Martin Müllen waren aus den Rieslingwilligen zumindest -liebhaber geworden. Um jedoch ein Kenner zu werden, braucht man wohl – wie im Burgund – mindestens vier Leben [und noch eine Handvoll Reisen an die Mosel]. Das erste um sich einen Überblick zu verschaffen und sich zurecht zu finden. Das Zweite um sich nochmals einen Überblick zu verschaffen und sich zurecht zu finden. Das Dritte um zu verstehen und sortieren. Das finale Leben dann um richtig geniessen zu können.


King Riesling – Einer der Könige unter der Sonne!



«Beim heiligen Julian – wie geil!»

Château Lagrange, 2002


Weinbewertung: 2. Dezember 2015

Herkunft: Frankreich, Bordeaux


N: Dichte, Peperoni, Schokolade, leichtes Vanille

G: Tiefgründig, Schwarztee, balsamisch, dunkelfruchtig

B: 9.0 (sehr gut bis ausgezeichnet)


Bezugsquelle: Gute Weinhändler (z. B. Riegger)

Preis: CHF ~40 bis 60.- (sehr vom Jahrgang abhängig)

Château Lagrange, St. Julien, 2002
Château Lagrange, St. Julien, 2002

Kommentar: Zugegeben!! Das Weingut ist eines der liebsten Bordelaiser Château des Schreibenden! Soviel Transparenz muss sein. Doch damit endet die sprichwörtliche Durchsichtigkeit für dieses Gedicht von einem Bordeaux.


Saint-Julien ist berühmt dafür, dass seine Weine eine gute Mischung aus verschiedenen Eigenheiten des Medoc aufweisen. Sie sind samtig, weich, hintergründig, dicht und im Grossen und Ganzen irgendwie «feminin» [wenn man das so sagen darf!?]. Vielleicht ein wenig das Gegenteil von Pauillac!?


Château Lagrange ist selbst für Bordeaux-Verhältnisse riesig in seinen Ausmassen. Die weit über 100 Hektaren Rebland erstrecken sich rund um das wunderschön an einem – etwas grösseren – Teich gelegenen Schloss. Ein Spaziergang in den Gärten und den Rebzeilen empfiehlt sich allemal. Der Blick geht weit ins Land bis etwas kommt, dass nicht zu Lagrange gehört. Trotz seiner Grösse wie auch finanziellen Potenz [Eigentum eines japanischen Getränkeriesen], gebärdet sich der 3éme Cru nie wie manche seiner berühmten Nachbarn. Solide in der Machart und fair im Markt. So ist er, der Grand Cru Classé.


Lagrange 2002 ist ein Schmeichler sowie Genusstrank aus Kraft und Seide, Präzision und nebulöser Dichte sowie ursprünglich junger Pracht und nun gediegener und potenter Seniorität. Der eher «klassische» Jahrgang ist derzeit wohl auf seinem Höhepunkt angekommen. Er beginnt nun aber seine Wandlung von einer liebreizenden Schönheit hin zur gestandenen «Grand Dame». Es ist derzeit alles noch da. In der Nase dunkle Früchte, die typische Peperoni-Note und die Dichte. Sogar noch ein wenig Vanille vom Barrique ist noch wahrnehmbar. Im Gaumen dann tiefgründig, balsamisch und mit wunderschönem Druck. Schokolade und ein Anflug von Kaffeeröstung. Gerade das letztere Aroma ist unglaublich betörend und lässt einen über Minuten nicht mehr an etwas anderes denken. Das Tannin ist bekömmlich und weich. Wir sind überzeugt, dass der Lagrange 2002 auf diesem Höhepunkt noch sicherlich fünf weitere Jahre richtig Spass machen wird. Danach wird er sich in sein drittes «Zeitalter» begeben und in Richtung Unterholz, Trüffeln und Leder tendieren.


Der Tropfen wurde zu einem kräftigen Rindsragout mit Spätzle/Spätzli genossen. Die Verkosterinnen und Verkoster konnten sich [zusammen mit einem Barolo «Elio Grasso» – dazu ein andermal mehr...] nichts Passenderes dazu vorstellen.



«Nummer 7 leeeeebt!»

Weingut Stamm, 7 Pinot Noir Selection, 2008

 

Weinbewertung: 30. November 2015

Herkunft: Schweiz, Schaffhausen


N: Feine Toastingnote, Kaffee, noch frisch

G: Sehr schöne Süsse, extrem dicht, Schweiz?!

B: 8.5

 

Bezugsquelle: Weinstamm

Preis: CHF 31.-

Nummer 7, Pinot Noir Selections, Weingut Stamm, 2008
Nummer 7, Pinot Noir Selections, Weingut Stamm, 2008

Kommentar: Der Produzent ist im Schweizer Kanton Schaffhausen wohl einer der grössten und bedeutendsten. Gleichzeitig ist er im positiven Sinn umtrieben und quirlig. Seine Palette an weissen, rosé und roten Tropfen ist unglaublich. Dazu kommen noch je ein Süsswein, «Portwein» und Mousseoux. Degustationen können bei Stamm zu richtigen Gelagen ausarten. Seine sehr nette Art die Gäste im wunderbaren Garten unter der umfriedeten Pergola zu empfangen, trägt natürlich das Ihre dazu bei.


Die Weine von Thomas Stamm haben etwas herausragend Einfaches: Sie sind nämlich in der interessanten «Genusssparte» nummeriert! Das gibt es mittlerweile bei einigen anderen Produzenten weltweit. Aber die Konsequenz von Stamm ist wohl einmalig. Von 0 bis 9 ist bei den Rot- und Weissweinen jede Zahl vertreten! Man wähnt sich in einem Zahlenparadies und nach der Verkostung aller Tropfen ein wenig im Zahlenhimmel. Die Nummern geben vor [kurz zusammengefasst] wo man sich ungefähr in der Skala an Finesse, Dichte und Komplexität befindet. Nach Auskunft von Thomas Stamm sind Apéroweine zwischen 0 und 3 zu finden. Ab der Nummer 4 wird es kräftiger und die Tropfen passen gut zum Essen. Von 6 bis 9 schmiegen sie sich einer Geliebten gleich an die Seele und lassen sich ganz für sich alleine sehr schön geniessen.


Die Nummer 7 [rot] selbst ist eine Selection aus sehr guten Reblagen und ist wohl der kräftigste reine Pinot seines Schaffens [die 9 ist eine Spur stiller und zurückhaltender]. Es ist fast ein wenig unglaublich was man vorgesetzt bekommt. Er ist sehr dicht und weist eine ungewohnte Süsse auf. Es ist alles stimmig. In der Nase neben roten auch dunkle Früchte, etwas Rahm und feines Herbstlaub. Im Gaumen setzt sich die Süsse weiter fort. Sehr bald stellt sich ein herrlich rundes Mundgefühl ein. Trotz seines doch fortgeschrittenen Alters «lebt» der Wein nach wie vor. Die Nummer 7 von Stamm ist keinesfalls ein typischer Schweizer Pinot. Eher wähnt man sich in wärmeren Gefilden als im Schaffhauser Thyingen! Empfehlen lässt sich der Tropfen zum Ego-Genuss oder auch in Verbindung zu einen guten und kräftigen Herbstmahl. Thomas – Du Tausendsassa!



«FAME @ Margaux: Finessenreich, ausdrucksstark, majestätisch und elegant…das ist es!»

Château Prieuré-Lichine, Margaux, 2005

 

Weinbewertung: 27. November 2015

Herkunft: Frankreich, Bordeaux

 

N: Würzig, mineralisch, süsse Beeren, Unterholz

G: Spürbares Tannin, druckvoll, elegant, langanhaltend

B: 8.5 (sehr gut)

 

Bezugsquelle: Gute Weinhändler

Preis: CHF 60.-


Für weinfanatic: Autor IB

Château Prieuré-Lichine, Margaux, 2005
Château Prieuré-Lichine, Margaux, 2005

Kommentar: Die Bordeaux-Weine aus dem Jahr 2005 sind grossartig. Punkt! Egal aus welcher Appellation kommend, immer sind sie mit perfekt ausgereifter Frucht, feinem Tannin und ausgewogener Säure gesegnet. Dazu besitzen sie eine ausserordentlich gute «Trink-Dynamik».

 

Ein perfekter Vertreter der genannten Ausprägungen ist auch Chateau Prieuré-Lichine. Ein Weingut aus der Appellation Margaux. Die Region ist bekannt für feine, elegante und seidige Weine voller Raffinesse. Die Farbe ist mit schönem Rubinrot sehr elegant gehalten. Betörende Nase die nun auch nach 10 Jahren keinerlei Schwächen zeigt. Würzig, mineralisch, sehr kompakt und Energie geladen ist der Tropfen. Viele kleine süsse Beeren, Unterholz, Herbstlaub und welke Rosen. Die Richtung in die er sich bewegt ist exzellent.

 

Am Gaumen spürt man immer noch das Tannin, das im Moment ein wenig trocknend wirkt. Dieses sollte sich aber, dank der vorhandenen Frucht in den nächsten Jahren perfekt harmonisieren. Im Schluck erzeugt er sehr viel Druck, bleibt dabei aber immer – der Herkunft verpflichtet – auf der eleganten Seite. Prieuré-Lichine beherrscht bestens die für Margaux typischen Tugenden und besitzt viel Klasse und Eleganz. Was man ihm derzeit vielleicht vorwerfen könnte, wäre die noch fehlende Seidigkeit. Raffiniert und mit viel Stil endet er sehr lang und nachhaltig.

 

Generell werden die 2005-er sehr viel Zeit brauchen bis sie sich ganz entwickelt haben und ihre Pracht offenbaren. Der Prieuré-Lichine ist ein, für heutige Verhältnisse, klassischer und Terroir geprägter Wein der seiner Appellation treu geblieben ist und sehr gut zur klassischen Küche passt. Am Rande sei hier erwähnt, dass die Berater des Weinguts ganze Arbeit geleistet haben. Er ist sehr gelungen und zeigt auf, dass sich der Fokus auf Eleganz auszahlen kann. Diese Rückbesinnung auf klassische Stärken ist sehr begrüssenswert. Go for it!



«Don Martin do Mendoza»

Finca Altorfer, Malbec, 2011


Weinbewertung: 15. November 2015

Herkunft: Argentinien, Mendoza


N: Mokka, dunkle Früchte, pflaumig

G: Kräftig, fleischig, Tabak, reif

B: 8.0 (gut)


Bezugsquelle: Riegger

Preis: CHF 17.-

Finca Altorfer, Malbec, 2011
Finca Altorfer, Malbec, 2011

Kommentar: Ein Eidgenosse aus der Ferne!? Nicht ganz. Nur der Besitzer des Weinguts ist Schweizer. Doch auch im argentinischen Mendoza sind die Berge, wie in der Schweizer Heimat, verhältnismässig nahe. Damit hören die Parallelen jedoch auch schon auf. Beim «Finca Altorfer Malbec» findet man all das was man von einem schönen und sauber gemachten Südamerikaner erwartet: Kraft, dunkle Früchte, Wärme und Weichheit.

 

Der Wein ist perfekt um mit einem deftigen Gericht oder einem wunderbaren «Lomo Argentino» genossen zu werden. Seit ein paar Jahren gibt es die Weine der Finca Altorfer in der Schweiz zu kaufen. Man merkt deutlich, dass sie von Jahr zu Jahr besser, kompakter und geschmeidiger werden. Das Streben nach noch mehr Qualität, Finesse und Präzision ist augenfällig. Vielleicht sind das die Schweizer Tugenden des Besitzers und die [deutsche] Hartnäckigkeit des Winemakers die sich fern der Heimat durchsetzen? Martin Altorfer und sein Team haben es geschafft, den Malbec auf ein richtig gutes Niveau zu heben ohne das Preisgefüge aus den Augen zu verlieren. Ein toller Wert zu einem kleinen Preis.

 

Martin Altorfer hat das Weingut kürzlich umbenannt in «Vinas Don Martin». Vielleicht liegt es nun an der Optik, dem Auftritt und der gesamten Marketingleistung – aber die Tropfen der jüngeren Jahrgänge zeigen sich nun noch besser. Sie sind noch präziser und kommen etwas fülliger und geschmeidiger daher. Don Martin macht das richtig gut!



«Pirmin! Pirmin! Pirmin! …»

Weingut Umbricht, Enora, 2012

 

Weinbewertung: 11. November 2015

Herkunft: Schweiz, Aargau

 

N: Vanille, schönes Toasting, Erdbeeren, Minze

G: Schönes Mundgefühl, bekömmlich, kompakte Struktur, Schokolade

B: 8.0 (gut)

 

Bezugsquelle: Wein & Gemüse Umbricht

Preis: CHF 19.-

Pinot Noir Enora, Weingut Umbricht, 2012
Pinot Noir Enora, Weingut Umbricht, 2012

Kommentar: Pirmin macht's! Das Weingut Umbricht ist ein Familienunternehmen «par excellence». Der Betrieb besteht je zur Hälfte aus Weingut und Gemüseanbaubetrieb. Was nach Verzettelung klingen mag, scheint eher ein Vorteil zu sein. Das Gemüse ist äussert lecker, lokal angebaut und wird urban in eine kleinen Laden an konsumbewusste Menschen mit Hang zum guten Gewissen verkauft. Das Weingut wird von Pirmin Umbricht geführt. Dem sympathischen Jungwinzer sieht man die Lebensfreude und den Spass an seiner Arbeit richtiggehend an. Man spürt dies alles noch mehr in seinen Weinen und der Unbekümmertheit die sie – wie auch ihr Meister – ausstrahlen. Der «Enora» ist ein spezieller Wein in seinem Angebot. Man hat das Gefühl Pirmin hat sich bei ihm besonders Mühe gegeben. Vielleicht trägt der Tropfen deshalb auch den Namen seiner Tochter?! Der Wein ist modern gemacht, ziemlich unkompliziert und weist deutliche Spuren von Barrique auf. Doch trotz der Fülle und Üppigkeit ist das Holz gut eingewoben. Als ob Pirmin sagen will: «Jugend hat das Recht auf Eigenständigkeit und kann durchaus Ecken und Kanten aufweisen!» Dies könnte das Motto sein, dass er seiner Tochter auf den Lebensweg mitgeben möchte. Vielleicht. Der Winzer ist experimentierfreudig und wird über kurz oder lang mit seinen Aargauer Crus sicherlich noch für Furore sorgen. Sein Cabernet Sauvignon – der nur in aussergewöhnlichen Jahren hergestellt wird – ist eine wahre Sensation! In einer Blindverkostung würde ihn selten jemand als einen Schweizer Wein outen. Geschweige denn, dass jemand auf die Idee käme, zu behaupten, dass es sich dabei um einen Tropfen aus dem Aargauer Siggenthal handeln könnte! Sein Topwein «Signature Pinot Noir» ist eine [Hammer-] Nummer für sich und soll zur gegebenen Zeit und nach ein paar Jahren Flaschenreife hier vorgestellt werden. Er ist jetzt schlicht zu jung. Wie Pirmin hat der Wein auch grosses Potential. To be continued…



COR Römigberg, Tenuta Lageder, 2008
COR Römigberg, Tenuta Lageder, 2008

«Mit Herz und Rosen»

COR Römigberg, Tenuta Lageder, 2008

 

N: Edel, Peperoni, florale Aromen, Rosenduft

G: Kaffee, dunkle Schokolade, Röstaromen

B: 8.5 (gut bis sehr gut)

 

Bezugsquelle: Bindella

Preis: CHF ~59.-

 

Kommentar: Alois Lageder ist ein Urgestein und Altmeister des feinen Weins aus Südtirol. Sein COR Römigberg gehört mit zur absoluten Spitze der Weinregion. Wie es der Name schon sagt, ist der «COR» das «Herzstück» seines Schaffens. Der Jahrgang 2008 deutet das Potential in der Nase voll an. Er hat die typischen Noten nach grünen und roten Peperoni welche auf den hohen Anteil an Cabernet Sauvignon hinweisen. In der Mitte entfaltet sich wunderbar ebenfalls deutlich eine Portion roter Rosen. Der Petit Verdot verleiht ihm die etwas dunklen und erdigen Noten sowie die straffe und stoffige Struktur. Im Gaumen ist er schön, hat ein gutes und rundes Mundgefühl. Der Tropfen wirkt in sich abgeschlossen. Fast ein wenig wie die Einzellage aus der er stammt. Trotz den nun sieben Jahren welche er auf dem Buckel

hat, wirkt er noch eindeutig zu jung. Das Tannin ist schön und fein eingewoben aber noch [zu] deutlich spürbar. Insgesamt ist der COR Römigberg ein sehr guter Wert. Man sollte ihm aber auf jeden Fall noch ein paar Jahre Ruhe gönnen. Im aktuellen Zustand wird er den sehr hohen Erwartungen und seiner sonstigen Klasse nicht ganz gerecht.


Er zeigt zwar Herz und Rosen - aber noch nicht in Vollendung. Wahre Liebe wartet… ;-)



«DON’t give up»

Don, Villa Liverzano, 2010


Weinbewertung: 4. November 2015

Herkunft: Italien, Emilia-Romagna


N: Dunkle Früchte, Bleistiftmine, Johannisbeeren

G: Eng und grün im Schluck, langer Nachklang, Pfeffer

N: 8.0 (gut)

Don, Villa Liverzano, 2010
Don, Villa Liverzano, 2010

Kommentar by weinfanatic

Auf den Don trifft man immer mal wieder. Bei jeder Verkostung präsentiert er sich anders. Mal ist er mehr und mal weniger zugänglich. In den letzten Jahren liess er uns an Degustationen oft mit einem Schulterzucken zurück. Ab und zu konnte er punkten und entlockte uns einen Begeisterungsseufzer. Diesmal versprach er viel Spass in der Nase. Dicht, dunkel, kompakt und mit düster-schöner Frucht präsentierte er sich. Es überkam einen das Gefühl, ein mächtiger süditalienischer «Don» gehe dann gleich einem an die Kehle. Das tut er dann tatsächlich auch. Der erste Kontakt am Gaumen war mächtig und vielversprechend. Doch leider liess der Druck und die Dichte dann relativ rasch nach und der Tropfen wurde schnell irgendwie dünn, grünlich und unausgeglichen. Die Länge war gut aber zu wenig definiert und etwas gar zu sperrig. Diesmal war also wieder nichts. Das nächste Mal kommt aber bestimmt. Denn, Potenzial hat er durchaus. Etwas unzuverlässig [südländisch?! ;-)] ist er jedoch schon. Den Don aufzugeben, kommt aber nicht in Frage!

 

Bezugsquelle: Weinresidenz

Preis: CHF ~68.-



Nou Nat, Binigrau, 2013
Nou Nat, Binigrau, 2013

«Melocotón desde Baleares»

Nou Nat, Binigrau, 2013


Weinbewertung, 30. Oktober 2015

Herkunft: Spanien, Mallorca


N: Rauch, Karamell, Aprikosen
G: Honig, Gebäck, reife Pfirsiche
B: 8.5

Bezugsquelle: Terravigna

Preis: CHF 22.50


Kommentar: Ein sehr schönes Stück Mallorca im Glas! Wunderbar modern gemacht. Anschmiegsam und ziemlich überzeugend in der Aromatik. Das Toasting ist spürbar aber gut integriert und nicht störend. Weich und cremig ist er im Gaumen. Wenn man ihm etwas vorwerfen will, ist es, dass er durch seine Wuchtigkeit ein klein wenig beliebig wirkt. Genauso schmecken viele gute Weine im mittleren bis gehobenem Preissegment. Der Nou Nat ist sicherlich kein Wein den man einfach mal so aufmachen sollte. Dazu wäre er zu schade. Es handelt sich bei ihm um einen schönen Sundowner. Beim Blick auf die untergehende Sonne welche die Rigi in goldige Farben hüllt, lässt er sich gut geniessen. Dazu braucht es eigentlich sonst nichts. Ausser vielleicht gute Gesellschaft um den kostbaren Tropfen mit wunderbaren Pfirsicharomen zu leeren.



«All it takes is patience»

Château Pibran, Pauillac, 2003


Weinbewertung: 25. Oktober 2015

Herkunft: Frankreich, Bordeaux

 

N: Weich, Pflaumen, Schokolade

G: Spürbares Tannin, Mokka, Tabak, feines Vanille

B: 8.5 (gut bis sehr gut)

 

Bezugsquelle: Gazzar Weine

Preis: CHF ~30.- [starke Jahrgangsabhängigkeit]

Chateau Pibran, 2003 [Pauillac]
Chateau Pibran, 2003 [Pauillac]

Kommentar: Grundsätzlich war das Jahr 2003 viel zu warm. Ein wahres Monsterjahr. Zuerst sprach Rang und Namen von einem Jahrhundertjahrgang [wie danach leider so oft und zu oft...]. Als die Weine dann zur Verkostung vorlagen, sahen sich viele bestätigt. Rundherum gab es nur «bombige» Bewertungen. Die Tropfen hätten halt einfach noch zu ungestüme Tannine die über die Zeit «abgeschliffen» würden, hiess es im Marketingjargon. Als 2008 bis 2010 die ersten ernsthaften Degustationen sich des Jahrgangs 2003 wieder annahmen, schwang häufig nicht nur leise Enttäuschung mit. Er sei zu unausgewogen mit brandigen Noten und noch immer äusserst kräftigen Tanninen. Nun, Bordeaux-Liebhaber wissen, dass die Weine aus Aquitanien «untouched» sein sollten, bevor sie nicht eine Dekade gelegen sind. Die Fruchtphase endet dann meistens. Die Reifenoten beginnen sich langsam zu entwickeln. Das Equilibirium – falls aufgrund der Qualität überhaupt  vorhanden – zwischen Alkohol, Säure und Tannin kommt dann ein erstes Mal richtig zur Geltung. Beim Pibran ist dies nicht anders. Obwohl, er wirkt immer noch etwas jugendlich für einen «kleinen» Cru Bourgeois. Er kann durchaus noch 3-5 Jahre ruhen. Dann dürfte er wohl langsam beginnen die Gipfelregion seiner Kilimanjaro-Besteigung zu erreichen. Aber auch nach 2020 wird er noch viel Freude bereiten. Er hat noch ziemlich spürbares Tannin. Dies ist aber auch irgendwie von einem Pauillac zu erwarten. Es ist jedoch rund und haltet sich schön im Hintergrund. Der Alkohol ist mit 13.5 Volumen sehr überschaubar. Brandig wirkt er auf keinen Fall. Die Aromen sind sanft. Das Spektrum beginnt mit Pflaumen und Zwetschgen. Es geht dann über in Schokolade und Mokka. Das Ende bereiten dann Tabak und ein Anflug von Zigarrenkiste. Doch alles ist subtil und noch im Anfangsstadium begriffen. Bis diese Aromen richtig zulegen, dürfte es noch die oben genannte Zeitspanne dauern. Auf diesem Höhepunkt dürfte er sogar noch das leichte Vanille verarbeitet haben und als gestandener Gentleman vor einem stehen. Pibran 2003 ist ein toller Wert. Obwohl er noch ein wenig zu jung ist um abschliessend beurteilt zu werden.

Wie sang doch der legendäre Axl Rose so schön: 
All it takes is patience... [...].



«Louis, Louis, Louis…»

Louis Latour, Pouilly-Fuissé, 2012


Weinbewertung: 14. Oktober 2015

Herkunft: Frankreich, Burgund

 

N: Ananas, Quitte, getrocknete Äpfel

G: Gebrannte Créme, Rahm, rund und geschmeidig,

B: 8 (gut)


Bezugsquelle: Nüesch Weine

Preis: CHF ~25.-

Kommentar: Louis Latour ist ein wenig der «Zara» des Burgunds: Man sieht die Weine überall. Von den «Trillionen» von Flaschen – so kommt es einem in Beaune selbst vor – wird mindestens die Hälfte vor Ort verkauft. Überpräsent, gross, mächtig: So tritt der Händler und Weinproduzent lokal auf. Doch im Vergleich zu anderen Herstellern, die wie Louis Latour auch weltweit agieren, vermag das Familienunternehmen seine Weine auf allen Ebenen qualitativ hochstehend und sehr wertig zu produzieren. Egal was man trinkt – alles ist gut bis sehr gut und gibt das Gebiet und die Traubensorte wunderbar wieder. Dies ist ebenfalls beim Pouilly-Fuissé der Fall: Der Chardonnay ist im Gaumen sehr schön zu erahnen. Die Samtigkeit sowie die Aromen nach feinem Gebäck, leichten Rahmnoten und die deckende Geschmeidigkeit verraten ihn. Trotzdem ist er keinesfalls überladen sondern eher frisch. Der Tropfen macht Spass. Er ist irgendwie ein typischer «Ankerwein»: Hat man ihn mal probiert und damit die Leinen ausgeworfen, kommt man nur mit einem Kraftakt von ihm weg. Louis Latour ist Pflichtprogramm im Burgund.



«Perfect and still soft on the micro side»

Saffredi, Fattoria le Pupille, 2003


Weinbewertung: 11. Oktober 2015

Herkunft: Italien, Toskana (Maremma)


N: Dunkle Früchte, Waldbeeren, Eukalyptus

G: Beginnende Reife, edel, aristokratisch, balsamisch und lang

B: 9+ (himmlisch)


Bezugsquelle: SCHÜWO Trink-Kultur

Preis: CHF ~60.-

Saffredi by www.weinfanatic.ch
Saffredi, Fattoria le Pupille, 2003

Kommentar: Dieser Wein…dieser Wein ist einfach schwierig. Was soll man bloss dazu schreiben? Jedes Mal wenn man ihn trinkt, ringt man stets um Fassung. Doch fangen wir die Geschichte dort an wo sie beginnt – am Anfang.


Kapitel 1: Die Flasche stammt aus einer Versteigerung. Broschüre gelesen. Saffredi gesehen. Einfach ins Blaue für drei Magnumflaschen mitgeboten und gehofft. Schlussendlich – wie das manchmal bei Versteigerungen der Fall ist – die drei Buddeln zu einem sagenhaft günstigen Preis erhalten. Zusätzlich gab es noch ein Quartett an Normalflaschen dazu. Was soll’s – geschenkt! Der Schatz stammt aus einem äusserst gut ausgestatteten Weinkeller eines ehemaligen Schweizer IT-Managers [global agierendes Softwareunternehmen…siehe Titel ;-)].

Kapitel 2: Liebt man Wein, hat man nach einer gewissen Zeit doch schon sehr viel «gesehen». Ab und zu gibt es trotzdem diese raren Momente der «Sprachlosigkeit», die einen überkommen. Man trinkt also einen Tropfen, die Gedanken rasen und dann geschieht es: Dieser Wein…dieser Wein ist einfach schwierig…denkt man sich. Wie um Himmelswillen soll man sowas beschreiben?! Die ersten Attribute die einem durch den Kopf schiessen, sind «gigantisch, gewaltig, genial, perfekt, vollendet…». Super – das sagt viel und doch nichts! Es braucht schlussendlich viel Beherrschung um sich zusammenzureissen und etwas Brauchbares niederzuschreiben.

 

Kapitel 3: Die Südtoskana und das Gebiet um Bolgheri sind aufgrund des Renommées von Ornellaia, Sassicaia, Le Macchiole, Tua Rita oder Grattamacco [nur um ein paar wenige zu nennen] sehr stark nachgefragt. Entsprechend teuer werden die Weine verkauft und sind doch [leider] vielfach überbewertet. Tintig, undefiniert und/oder überladen vom warmen Wetter und neuem Holz – so präsentieren sich viele. Doch Saffredi ist anders. Vielleicht weil er von einer – wie man hört – klugen und umsichtigen Frau gemacht wird!? Es fällt einem schwer aus diesem Monolith eines Weins die einzelnen Komponenten herauszubrechen. Der Wein ist wie ein Kunstwerk.

 

Michelangelos «David» ist perfekt wie er ist. Nörgler finden seine Arme zu lang und seine Haltung einen Fall für den Chiropraktiker. Trotzdem: Wäre er nicht genau so wie er ist, wäre er eben nicht vollkommen. So ist es ein bisschen mit dem Saffredi. Natürlich ist er edel, aristokratisch, wunderbar balsamisch, mit Eukalyptusaromen, Cremigkeit, feiner Süsse und grosser Dichte. Trotzdem ist er nicht üppig. Er ist zudem voller Power und hat immer noch seine dunkle und satte Frucht. Mit jedem Schluck gewinnt er weiter an Fahrt. Aber diese einzelnen Komponenten geben niemals die Summe dessen wieder was ihn ausmacht. Er ist unendlich viel mehr als das.

 

Der Jahrgang 2003 befindet sich jetzt wohl genau im Höhepunkt des «Wechsels» zwischen «Frucht» und «Reife». Doch die Reifephase kann durchaus nochmals zehn oder mehr Jahre dauern. Auch in dieser Zeit dürfte er einen genauso sprach- und ausdruckslos machen...trotz der vielen Worte.

 

Es gibt nur ein Urteil dafür: Himmlisch.



«Torero diario»

Baron de Ley, Gran Reserva, 2008

 

Weinbewertung: 8. Oktober 2015
Herkunft: Spanien, Rioja

 

N: Vanille, reife Kirschen, dunkle Waldbeeren
G: Rund, gefällig, extrem langer Abgang
B: 8 (gut)

 

Bezugsquelle: Vinexus Weinhandel
Preis: CHF ~30.-

 

Kommentar: Ein sehr typischer und angenehmer Vertreter eines Gran Reserva aus dem Rioja. Durch sein eher «junges» Alter hat er noch durchaus viel «Holz vor der Hütte» und eine schöne sowie üppige Frucht in der Mitte. Der Wein ist einer jener Rioja der für viele Geschmäcker gemacht wird und wohl sehr viele Fans findet. Der Abgang ist schön und äusserst lang. Ist er aber auch ein Wein den man gern über eine längere Zeit trinkt und Weinfreunden als Sorgenbrecher empfehlen kann? Nicht unbedingt.

Baron de Ley, Gran Reserva, 2008
Baron de Ley, Gran Reserva, 2008


Louis Jadot, Chablis, 2013
Louis Jadot, Chablis, 2013

«Chablis à la californienne»

Louis Jadot, Chablis, 2013

 

Weinbewertung: 30. September 2015

Herkunft: Frankreich, Chablis

 

N: Schöne Mineralik, Gebäck, Frischearomen

G: Feuerstein, knackige Säure, langer Karamellabgang

B: 8.5 (gut bis sehr gut)

 

Bezugsquelle: Vennerhus Weine

Preis: CHF ~20.-

 

Kommentar: Ein wunderbarer Chablis aus einem der anerkanntesten Handelshäusern des Burgunds. Der Wein weist die schöne Mineralität auf für die das Chablis berühmt ist. Daneben kommt der Tropfen auch dicht und voll daher. Das tut ihm aber gut und macht ihn zu einem richtig modernen Wein der durchaus die Massen glücklich machen kann. Vor allem der extrem lange Abgang mit Noten von Feuerstein, Karamell und einer angenehmen Rauchigkeit macht ihn zu einem sehr schönen Schmeichler.


«Der kühle König»

Fay, Carteria, 2010


Weinbewertung: 23. September 2015

Herkunft: Italien, Valtellina


N: Zurückhaltende Erdbeer- und Kirscharomen, feine Gumminote

G: Bekömmlich und rund, filigran, kühl

B: 8 (gut)


Bezugsquelle: Vini Sacripanti

Preis: CHF ~30.-

Fay, Carteria, 2010
Fay, Carteria, 2010

Kommentar: Ein Nebbiolo aus dem Veltlin beziehungsweise dem hohen Norden Italiens. Damit auch vom Fusse der Berge – sprich «Piedmont». Die Traubensorte Nebbiolo ist stark mit Barolo dem «König der Weine – Wein der Könige» verbunden. Dadurch hat man quasi vorprogrammiert eine ganz bestimmte Vorstellungen vom zu verkostenden Nebbiolo-Wein die man automatisch abruft. Die Aromatik des Nebbiolo aus Valtellina ist aber deutlich feiner und ...subtiler als die des im Südwesten gelegenen grossen Bruders. Nichtsdestotrotz hat der Wein wie ein Nebbiolo aus dem Piemont eine schöne Kraft und Länge. Ebenfalls ist die gewohnte Eleganz da. Dadurch, dass er etwas weichere und zurückhaltende Tannine aufweist, wirkt er leicht geschmeidiger und zugänglicher – auch in jüngeren Jahren. Schön wenn man noch so überrascht wird.



«Es geschah am helllichten Tag!»

Aureto, Petit Miracle, 2011

 

Weinbewertung: 19. September 2015

Herkunft: Frankreich, Provence

 

N: Kräuterbeet, Kirschen, Lavendel

G: Rote Früchte, feinste Vanille, frisch

B: 8 (gut)

 

Bezugsquelle: Riegger

Preis: CHF 19.80

Aureto, Petit Miracle, 2011
Aureto, Petit Miracle, 2011

Kommentar: Syrah. Südfrankreich. Da ist schon einiges wenn nicht sogar schon alles gesagt. Eines der prägendsten Aromen im Syrah ist der vielfach starke Duft nach Pfeffer. Über das Gewürz kann und soll man geteilter Meinung sein. Im Essen! Auf Erdbeeren! Doch im Wein gibt es doch den einen oder anderen Weinliebhaber der Syrah genau deswegen meidet wie der Teufel das Weihwasser. Der vielbesungenen Pfeffrigkeit kann diese Fraktion nichts, aber auch gar nichts abgewinnen. Immer wieder ist man trotzdem versucht der Traubensorte und Südfrankreich eine Chance zu geben. Bis man dann beides nach dem ersten «Schnüffler» aus dem Glas wieder ins Pfefferland wünscht. Dann kam Aureto und es geschah ein kleines Wunder. Der schmeckt vorzüglich. Er ist eher von der Lavendel-, Kräuter- und [dunkle] Beeren-Seite. Dies hat sicherlich auch mit Grenache als Partner im Glas zu tun. Doch da Syrah vorherrscht, scheint es schier an eine Sensation zu grenzen, dass die Pfeffernote so subtil, dezent und eher als angenehme Schärfe bzw. Würze rüberkommt. Wunderbar!



«Ein bisschen Down Under»

Quinta Portal, Grand Reserva, 2009


Weinbewertung: 15. September 2015

Herkunft: Portugal, Douro

N: Sehr dunkles Beerenaroma, tintig, Holzrinde, Staub

G: Mineralisch, Eukalyptusnote, dunkle Waldbeeren

B: 8.5 (gut bis sehr gut)


Bezugsquelle: Coop Weine

Preis CHF 34.-

Grande Reserva, Quinta do Portal, 2009
Grande Reserva, Quinta do Portal, 2009

Kommentar: Ein ganz besonderer Wein. Nie war es uns bisher vergönnt, in einem Wein aus Portugal so starke Noten von Eukalyptus zu riechen. Für die Koalabären unter den Weintrinker also ein Muss. Aber auch solche die sich eher in anderen Gefilden des Tierreichs einordnen, wird dieser Wein betören. Die extrem dunkle Farbe passt perfekt zur Samtigkeit des Grande Reserva. Durch die Eukalyptusaromen weist der Wein ebenfalls einen wunderbaren balsamischen Abgang und ist eine Freude für den Gaumen. Er ist lang – wirklich ewig lang. Der Besuch des Weinguts durch die Chevaliers des Vins war während ihrer Weinreuse durch Portugal somit ein absoluter Fixpunkt. Leider wurden die hohen Erwartungen durch wenig überzeugende Kenntnisse und schwindende allgemeine Motivation des verantwortlichen Personals nicht ganz erfüllt. Doch wir sind nachsichtig – ein guter Tropfen spricht für sich. Dies war dann auch vor Ort wieder absolut der Fall.



Total «Walla Walla»

Merlot, Northstar, 2008

 

Weinbewertung: 11. September 2015

Herkunft: Washington, Columbia Valley, USA

 

N: Cassis, Brombeeren, Tabak, Lakritz, Eukalyptus

G: Dicht, Vanillenoten, dunkle Schokolade, Mokka

B: 9 (sehr gut bis ausgezeichnet)

 

Bezugsquelle: Mövenpick

Preis: CHF 62.-

Merlot, Northstar, 2008 - Walla Walla Valley
Merlot, Northstar, 2008 - Walla Walla Valley

Kommentar: Schon ziemlich verrückt ist der Wein aus dem Walla Walla Valley. Aus Washington, also dem «hohen Norden» der USA, kommt diese Wuchtbrumme zu uns und erschlägt einen beinahe. In der Nase. Am Gaumen. Das Auge erfasst nur undurchdringliches Schwarz. Alles, wirklich alles an diesem Wein hat Charme und Balance! Einen unheimlich leckeren, üppigen aber gleichzeitig eleganten Cowboy trifft man hier zum High Noon. Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist er kein bisschen müde oder zeigt irgendwelche Alterserscheinungen. Er ist ein richtiges Kraftpaket. Würde man ihn blind trinken, käme man nie auf die Idee, dass es hier um einen [Neue-Welt-] Wein handelt der bereits schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. In der Kult-Fernsehserie «Bonanza» gibt es diesen etwas zu gross geratenen, fülligen aber extrem liebenswürdigen Sohn «Hoss». Er punktete beim Zuschauer nie mit der Zieh-Schnelligkeit seines Colts, sondern mit seiner gemächlichen, gemütlichen und sympathischen Art und Weise an Probleme und Herausforderungen heranzugehen. Er sorgt für den Ausgleich und Balance innerhalb der Gruppe von Heissspornen. Genau dies trifft auf den vorliegenden Tropfen zu. Es gibt natürlich filigranere oder präzisere Merlots auf dieser Welt. Aber wer will die schon gegen den kraftvollen, ausgefallenen, unheimlich vollen sowie unwiderstehlichen Merlot von Northstar tauschen? Gewähren wir uns einen Augenblick Bedenkzeit.... Eben!



Der «Goldjunge» der Insel 

Zlatan Plavac, Zlatan Otok, 2010

 

Weinbewertung: 3. September 2015

Herkunft: Dalmatien (Insel Hvar), Kroatien

 

N: Filigran-feine Rauchnote, dunkle Waldbeeren, Reifearomen

G: Angenehm rund, schöne weiche Tannine, Zigarre und Mokka

B: 8.5 (gut bis sehr gut)

 

Bezugsquelle: Jadrovino

Preis EUR ~17.50

Zlatan Plavac, Zlatan Otok, 2010
Zlatan Plavac, Zlatan Otok, 2010

Kommentar: Das Strässchen windet sich die grünen Höhen der Insel Hvar langsam hoch hinauf. Plötzlich steht man vor einem Tunneleingang und wähnt sich vor dem Tor zu einer vermeintlich anderen Dimension. Das «Portal» hat die Ausmasse einer Autobreite und entlässt einen auf der anderen Seite tatsächlich in eine andere Welt. Die Weinstöcke krallen sich förmlich an die steilen und kargen Hänge des Inselrückens. Weiter vorne liegt das Dörfchen «Sveta Nedjelja» (Heiliger Sonntag). Wie ein Drachennest klebt es weit über dem Meer unter einer natürlichen Höhle. Das Weingut mit dem passenden Namen «Zlatan Otok» (Goldige Insel) ist hier zu Hause und produziert (zumeist) an dieser Stelle seine spannenden und tollen Weine. Alle Tropfen kann man in einem wunderschön am Wasser gelegenen Restaurant geniessen. Eine Attraktion ist der ins Meer eingelassene Weinkeller, samt grossen Bullaugen und Blick in die unendlichen Tiefen der adriatischen See. Die Weine sind von moderner Machart. Das obere Segment ist oft in Barriques ausgebaut. Entsprechend geizen die Tropfen in der Jugend nicht mit Vanillenoten und einer unheimlich leckeren sowie süssen Mitte. Der verkostete «Zlatan Plavac» wurde vornehmlich in gebrauchtem Holz ausgebaut und hat - nach ein paar Jahren Flaschenreife - nun seine Jugend abgeworfen. Er kommt als reifer und stolzer Vertreter des kroatischen Weins daher. Seine roten Geschwister «Crljenjak» (Zinfandel) und der «Grand Cru» (Plavac Mali) versprechen nicht minder spannend zu werden. Davon aber ein andermal mehr…



Edler «Bläuling»

Plavac Mali, Tomic, 2012


Verkostung: 26. August 2015

Herkunft: Dalmatien (Insel Hvar), Kroatien


N: Hagenbutten, süsslich, Feigen

G: mineralisch, Zwetschgen, präzis und feingliedrig

B: 8.5 (gut bis sehr gut)


Bezugsquelle: Jadrovino

Preis: EUR ~16.-

Plavac, Tomic, 2012
Plavac, Tomic, 2012

Kommentar: Der Wein stammt von den Hängen und aus den Ebenen der wunderschönen kroatischen Insel Hvar. Manchmal führen die 300 Sonnentage zu überreifen Trauben und damit zu leicht «alkoholigen» Varianten des Plavac Mali. Das Weingut Tomic, welches in Hvar's schmucken Schwesterstädtchen Jelsa liegt, hat sich auf eine moderne Interpretation einiger regionaler Traubensorten spezialisiert. Ihr Plavac Mali ist dabei wunderbar präzis gelungen. Er besticht zudem durch eine süsslich-frische Mitte. Schliesst man die Augen, sieht man förmlich das Rebenmeer um Jelsa im goldenen Sonnenuntergang erstrahlen.



Der «Pizza-Booster»

Valletta, Gagliole, 2011


Verkostung: 23. August 2015

Herkunft: Toscana, Italien

 

N: Tabak, Mokka, dunkle Beeren, leichtes Vanille

G: Modern, schöne Dichte, feine Rauchnoten

B: 8.5 (gut bis sehr gut)

 

Bezugsquelle: Riegger

Preis: CHF 25.70

Valletta 2011, Gagiole
Valletta 2011, Gagiole

Kommentar: Muss es denn immer Schmorbraten, Brasato al Barolo, Rindsfilet oder Lomo vom Holzofengrill sein? Nein – manchmal darf es auch profan eine Pizza sein. Selbst gemacht und mit frischen Zutaten, wird das einfache Gericht zum Festmahl. Warum also nicht auch einen passenden Wein dazu geniessen? Der Valletta ist eine wunderbar "stille" – sagen wir schweizerische ;-) – Interpretation eines Super-Tuscans. Er ist super, er ist Toskaner, aber er ist kein bisschen überfüllig, langweilig oder eintönig. Es war ein herrlicher Tanz zweiter italienischer Superstars!



Fire, Ice and Veltliner": Trio-Weinbewertung: 16. August 2015

Wein: Fred Loimer, Grüner Veltliner, 2012

Herkunft: Kemptal, Österreich

N: Zitronen, Feuerstein, Brennnessel

G: Frisch und säurebetont, Apfelschnitze

B: 8 (gut)

Bezugsquelle: Brancaia
Preis: CHF ~17.-


Wein: Remoissenet Père et Fils, Aloxe-Corton, 1998

Herkunft: Burgund, Frankreich

N: Sehr zurückhaltend oder vorbei [?], Tee, leichte Erdbeeraromen

G: Feine Ledernote, sehr filigran, noch spürbare Tannine

B: 8 (gut)

Bezugsquelle: Jeggli Weine

Preis: n.a.


Wein: Montebaco, Magallanes, 2011

Herkunft: Ribera del Duero, Spanien

N: Mokka, Pflaumen, Vanille

G: Tanninreich, Cassis & Cassis, dunkle Beeren

B: 8 (gut)

Bezugsquelle: Gerstl Weinselektionen Preis: CHF ~44.-

Kommentar: Feiert man Geburtstag, muss manchmal ein breiteres Sortiment an Weinen und zumindest ein älterer Jahrgang ran. Warum also nicht was Spritziges aus Österreich, Kühles aus dem ehrwürdigen Burgund und Feuriges aus Spanien. Schön der Österreicher. Knackig und frisch sowie mineralisch. Löst die ersten Hemmungen und macht den Gaumen bereit für allmöglichen Gefilde. Der Burgunder war hingegen schwierig zu fassen. Aloxo-Corton ist zumeist etwas leicht in der Aromatik dafür kräftig in den Tanninen. Dies erfüllte der Tropfen zwar. Aber war er nicht zu flüchtig? Von den drei Elementen (Säure, Alkohol und Tannine) war nur das letztere noch sehr gut spürbar. Das Burgund zeigt wieder einmal warum es mehr als ein Leben braucht um es zu verstehen: Man hat schlichtweg nicht die Zeit und das Geld um jeden einzelnen guten Winzer und Jahrgang zur Lebzeit zu memorieren. Eigentlich möchte man sich manchmal bei Wein auch einfach zurücklehnen und sich auf bewährte (generelle) Erinnerungen verlassen können. Der Spanier: Zum hervorragenden Kalbskotelett perfekt passend. Kraft und Feuer. Eleganz hätte noch gepasst. Der "komplette Stier" war nicht da. Ein sehr schöner abend - Dank an die edlen Gastgeber!



Weinbewertung 25. Juli 2015

Clos Fourtet, 1er Grand Cru Classé, 2002

 

Herkunft: Saint-Émilion, Bordeaux, France

 

N: Leder, Waldboden, balsamische Noten
G: Kaffee, weiche Tannine, Alters-Höhepunkt...

B: 9 (sehr gut bis ausgezeichnet)

 

Importeur: diverse gute Händler

Kommentar: Bordeaux ist wir ein Chamäleon: Nur der geduldige Geniesser wird reich beschenkt und sich nach dem ersten Schluck entzückt zurücklehnen. Über Bordeaux könnte man tagelang streiten und man käme zu keinem Resultat! Er kann langweilig, dick, tanninreich, sperrig, animalisch bis zum Umfallen, wässerig wie der Ganges und Teuer wie die Sünde sein. Aber: Wenn man den richtigen Tropfen wählt und ein wenig (naja noch ein wenig - sagen wir mindestens 10 Jahre) wartet...dann hat man etwas Unvergleichliches und Einmaliges vor sich. Einen Wein der so viele Facetten und Dimensionen aufweist und eine Balance sowie Vielfältigkeit von Düften, dass man definitiv weiss, warum die Weine von dort so gross, richtig gross sein können. Natürlich gibt es unglublich viel Traubensaft da draussen, der dieser Beschreibung nicht entspricht. Aber die paar Dutzend Weingüter, die es in sich haben, machen eben die wahre Grösse des Anbaugebiets aus. Der 2002 war ein "klassischer" (also mittelmässiger) Jahrgang. Trotzdem ist er in seinem nun 13. Jahr einfach nur himmlisch.



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